Antibabypille: Ist sie heute noch gefragt?

Neben der Pille kommen heute auch andere Verhütungsmittel vermehrt zum Einsatz

Neben der Pille kommen heute auch andere Verhütungsmittel vermehrt zum Einsatz

Seit nunmehr 60 Jahren ist die Antibabypille bereits auf dem Markt. Während das Präparat zu seiner Entstehungszeit als Sensation galt, schließlich war es das erste hormonelle Mittel gegen die Empfängnis, steht es heute vermehrt in der Kritik. Denn die Einnahme von Hormonen birgt gewisse Nebenwirkungen. Die wollen viele Frauen nicht mehr in Kauf nehmen. Was sind die Alternativen? Dr. med. Dorothee Struck, Frauenärztin und Autorin von “Verhüten ohne Hormone”, gibt im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news Aufschluss.

Viele Frauen sorgen sich bei der Einnahme der Pille um die Hormone und ihre Nebenwirkungen. Ist diese Sorge berechtigt?

Dr. med. Dorothee Struck: Die Pille ist ein Medikament und kann Nebenwirkungen haben. Auf die Menge der täglich eingenommenen Dosen ist die Rate vor allem der schweren Nebenwirkungen wie Schlaganfällen aber gering. Andere Nebenwirkungen, die Frauen unter der Pille erleben, wie gehäufte Urogenitalinfekte oder gedrückte Stimmung, lassen sich durch einen Wechsel auf eine andere Methode der Verhütung vermeiden.

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Welche Nebenwirkungen kommen am häufigsten vor?

Struck: Es gibt Frauen, die unter synthetischen Hormonen sehr stark zunehmen, das sind aber wenige Prozent der Anwenderinnen. Die meisten Frauen nehmen von den heutigen, niedrig dosierten Pillen nicht zu. Allerdings reagieren manche Frauen auf hormonelle Veränderungen mit gesteigertem Appetit, manche lagern ein bis zwei Kilo Wasser ein, da hilft oft der Wechsel auf eine Pille mit anderer Zusammensetzung.

Migräne und Kopfschmerzen sind tatsächlich häufige Probleme, die durch die Pille schlimmer werden oder auch erst mit der Pilleneinnahme kommen. Bei Migräne in der Pillenpause sollte entweder auf eine östrogenfreie Pille ohne Einnahmepause gewechselt oder eine hormonfreie Verhütung gewählt werden. Viele Frauen mit häufigen Kopfschmerzen sind heilfroh, wenn sie auf eine hormonfreie Verhütung wechseln.

Welche Alternativen zur Pille kommen inzwischen vermehrt zum Einsatz?

Struck: Kupfer-Ketten oder bestimmte Spiralen sind auf Grund ihrer kleinen Größe auch für Frauen geeignet, die noch nicht geboren haben. Natürliche Familienplanung in sicherer Form wie Sensiplan mit Thermometer und Körperbeobachtung, ist eine hervorragende Verhütungsmethode, die auch viel Wissen über den eigenen Körper vermittelt. Kondome sind überall in guter Qualität verfügbar und auch das Diaphragma erfährt gerade eine kleine Renaissance.

Bei uns in der Praxis werden kupferbasierte intrauterine Verhütungsmittel wie Spirale, Kupferkette und Ball stark nachgefragt. Informationen nach sicheren Formen von natürlicher Familienplanung kommen an zweiter Stelle. Das Diaphragma wird eher selten von Frauen gewünscht. Leider! Aus meiner Sicht eine untergenutzte Verhütungsmethode.

Ist die Pille heute dann überhaupt noch gefragt?

Struck: Wer in sozialen Medien unterwegs ist, hat in den letzten Monaten den Eindruck bekommen, dass die Pille mittlerweile völlig out ist, aber die Nachfrage in der Praxis hat sich nicht so stark verändert. Frauen fragen aber mittlerweile oft gezielt nach Präparaten mit niedrigem Thromboserisiko oder nach östrogenfreien Präparaten. Die Pille wird kritischer gesehen, hat ihre Rolle als sicheres Verhütungsmittel aber lange noch nicht ausgespielt.

Es kommen eher Frauen Mitte 20, die die Pille einige Jahre genommen haben, mit dem Wunsch nach einer Alternative und dem Absetzen. Von mir gibt es dann immer eine klare Ansage: Die Pille wird abgesetzt, wenn entweder eine akzeptable andere Verhütungsmethode gefunden wurde oder Kinderwunsch besteht. Absetzen und keine Alternative zu haben, führt leider oft zu ungeplanten Schwangerschaften.

Man hört oft von Frauen, die trotz Pille schwanger geworden sind. Wie kann das passieren?

Struck: Die Pille hat eine gute Methodensicherheit, das heißt eine gute Sicherheit, wenn keine Störfaktoren wie Vergesslichkeit, Erbrechen, Durchfälle oder auch kombinierte Einnahme mit anderen Medikamenten hinzukommen. Der häufigste Grund für Tro-Pis (Babys trotz Pille) ist sicher die Vergesslichkeit, wobei in letzter Zeit in der Forschung Hinweise dafür kommen, dass einige Frauen die Pille und andere Medikamente schneller über die Leber abbauen als die meisten.

Was sind aktuell die begehrtesten Verhütungsmittel?

Struck: Die Pille in ihren verschiedenen Zusammensetzungen hat mit über 50 Prozent der Frauen die Nase noch immer ganz weit vorn. Wobei darunter auch welche sind, die die Pille nicht ausschließlich zur Verhütung nutzen, sondern zur Behandlung von gesundheitlichen Problemen wie Endometriose oder überstarker Monatsblutung. Kondome kommen gleich danach, darauf folgen mit einigem Abstand Spiralen.

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