Aufschwung und Inflationsrisiken

Die Corona-Pandemiehat nicht nur die Weltwirtschaft im Rekordtempo abstürzen lassen, sondern auchder Verbraucherpreisinflation einen Dämpfer versetzt.

Auch wenn von der Pandemie für einige Waren undDienstleistungen preistreibende Effekte ausgehen (bspw. aufgrund gestörterLieferketten oder Mehrausgaben wegen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen),dominieren die preisdämpfenden Faktoren immer noch deutlich. „Die gesunkeneInflationsrate ist zu einem großen Teil das Ergebnis der stark gefallenenÖlpreise von rund 64 US-­Dollar (pro Fass) auf unter
20 US-Dollar“, so Roland Rupprechter, MBA, Geschäfts­führer/CEO der R&BResearch und Vermögensmanagement Gesellschaft in Dornbirn im Gespräch mit denVN.

Kurzfristig keine Gefahren

Rupprechter weiter: „Aufgrund der strukturelldämpfenden Faktoren auf die Preisentwicklung wie Rezession, negativeOutput-Lücke oder Lohn- und Kaufzurückhaltung dürfte die Inflationsrate indiesem Jahr recht moderat ausfallen. So erwarten wir nach einem Rückgang derInflationsrate auf 1,4 Prozent im Jahr 2020 einen Anstieg auf 2,2 Prozent bzw.2,4 Prozent im Jahr 2021 bzw. 2022. Hauptausschlaggebend für den erwartetenAnstieg der Inflations­rate dürften spürbar steigende Energiepreise sein.“

Mittel- bis langfristig, d. h. für die Zeit nach2023, könnten aber ernsthafte Preisgefahren drohen. So könnte beispielsweiseein nachlassender Wettbewerbs- und Preisdruck – aufgrund einer möglichenZunahme der Marktkonzentration (Stichwort: mögliche Pleitewelle) –preissteigernd wirken. Aber auch eine ­abrupte, mögliche Entladung der derzeitaufgestauten Nachfrage könnte zumindest temporär in manchen Bereichen zukräftigen Preissteigerungen führen. Ebenso gehen von der ultra-expansivenGeld- und Fiskalpolitik tendenziell höhere Preisgefahren aus. Denn im Zuge derCorona-Krise hat eine wundersame Geldvermehrung stattgefunden.

Die Geldmenge, also das im Umlauf befindlicheGeld, ist dramatisch vergrößert worden, weil die Notenbanken des Eurosystemsviel neues Geld geschaffen und in Umlauf gebracht haben, unter anderem durchden Aufkauf von Staatsanleihen. Die Folge ist für Rupprechter: „In der zweitenJahreshälfte, wenn die Pandemie hoffentlich endgültig abgeebbt ist, wird in derEurozone sechs Mal so viel Zentralbankgeld im Umlauf sein wie kurz vor demBeginn der Eurokrise im Sommer 2008. Das ist insofern riskant, als dahinterkein Zuwachs der Wirtschaftsleistung steht. Denn während die Zentralbankgeldmengebis Mitte des Jahres auf mehr als 5000 Milliarden Euro ansteigen dürfte, wirddie Wirtschaft der Eurozone kaum größer sein als 2008. Damals lag dieZentralbankgeldmenge ­jedoch nur bei 900 Milliarden Euro.“

Hinzu kommt, dass ein Großteil des Geldes derzeitüberhaupt nicht zielgerichtet eingesetzt wird. „Vier von den fünf BillionenEuro sind ­eigentlich überflüssig und werden von der Wirtschaft nicht fürTransaktionen benötigt“, meint der Top-Ökonom Hans Werner Sinn, Präsident desifo Instituts in München. Stattdessen horten Banken diese riesigen Bestände anZentralbankgeld momentan auf ihren Konten. Mit einer anziehenden Wirtschaftkönnte dieses geparkte Zentralbankgeld jedoch anfangen zu zirkulieren, da sichwieder mehr Unternehmen an kreditfinanzierte Investitionen ­herantrauendürften. Wenn dieses Geld dann in Umlauf kommt, wird dies zu einer höherenInflation führen.

Was meint die EZB?

Die Europäische Zentralbank schließt einenvorübergehenden Anstieg der Infla­tion nicht aus. Kurzfristig könne sich einegewisse Dynamik bei der Teuerung entwickeln. Eine solche Entwicklung dürfe abernicht mit einem an­haltenden Inflationsanstieg verwechselt werden. „Deshalbwürde das unsere geld­politischen Entscheidungen, die auf einen mittelfristigenHorizont ausgerichtet sind, nicht wesentlich beeinflussen“, sagteEZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel.

Die Zukunft der Märkte

„Da wir kurzfristig keine steigenden Zinsen und sprunghaft höhere Inflationsraten sehen, bleiben wir bei unserer positiven Einschätzung für die Aktienmärkte. Wir werden allerdings den Schwerpunkt auf Qualitätsaktien verschieben. Gold wird für uns wieder einen größeren Stellenwert einnehmen. In Anleihen hingegen werden wir nur noch in Ausnahmefällen investieren“, erläutert Rupprechter abschließend.

Die Inflationsrate dürfte in diesem Jahr recht moderat ausfallen. Wir erwarten einen Anstieg auf 2,2 Prozent und 2,4 Prozent 2022. Roland Rupprechter, CEO, R&B Research

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