Freizeitpark trotz Corona: Lohnt sich ein Besuch im Disneyland Paris?

Von Laura Waßermann

“Bienvenue à Disneyland. 1,5 m distance, s’il vous plait.” Im Pariser Disneyland begann schon die Begrüßung Corona-mäßig: Bitte Abstand halten, mindestens 1,5 Meter, Maske auf, regelmäßig Hände desinfizieren. Das Parkticket wurde kontaktlos bezahlt. Was sich hier erstmal nervend penibel anhört, hat mir einen entspannten Tag im Freizeitpark ermöglicht. Und das inmitten der Corona-Pandemie.

Darum geht’s ja schließlich bei einem Freizeitparkbesuch: Wir flüchten uns in Fantasie-Welten, in denen wir alles vergessen, was um uns herum los ist – auch einen Virus. In diesem Fall entfloh ich in eine Welt, die den meisten bekannt sein dürfte: Disney. Zwar mit Maske und ohne Umarmung mit Micky oder Minnie Maus. Trotzdem war es einer der besten Tage in einem Freizeitpark. Ever.

Große Sorge vorab: Halten sich alle an die Maskenpflicht?

Meine Sorgen vorab waren groß: Hoffentlich wird der Park nicht zu voll sein. Halten sich alle an die Maskenpflicht? Auch auf Achterbahnen? Wird die Stimmung trotzdem ausgelassen sein?

Kurzum: Meine Sorgen waren unbegründet. Selten habe ich mich seit dem Ausbruch der Pandemie Anfang 2020 so wohl gefühlt wie in Disneyland Paris. Kein Scherz. Die Betreiber*innen haben Corona-Schutzmaßnahmen entwickelt, an die sich die Gäste ausnahmslos hielten: Maskenpflicht zum Beispiel. Alle hatten immer ihre Maske auf. Auch auf der Achterbahn. Damit lässt es sich prima schreien. Ich hab’s getestet, zum Leid meiner Mitmenschen. Hin und wieder sah ich, wie die Falten unter den Augen von anderen Parkbesucher*innen zuckten und erahnte, dass sie unter ihrer Maske lächelten. Ich lächelte zurück und die Falten unter meinen Augen zuckten ebenfalls.

Auch den nötigen Abstand zu halten war kein Problem. Überall hatte man Schilder auf den Boden geklebt, auf denen auf 3 Sprachen geschrieben stand: “Bitte hier nicht stehen.” (Englisch, Französisch und Zeichensprache). Die Schilder waren exakt 1,5 Meter lang. Wenn man in einer Warteschlange vor beziehungsweise hinter dem Schild stand, wurde der Abstand eingehalten. So einfach geht’s. Davon kann sich manche Innenstadt etwas abgucken – die Kölner Innenstadt zum Beispiel, in der es seit Öffnung der Ladenzeilen teils wieder so voll ist, dass Abstand zum Fremdwort geworden ist.

Eine Fahrt Glückshormone, bitte!

“Distance” stand auch auf Schildern, die Parkmitarbeiter*innen den ganzen Tag über in die Höhe hielten. Glücklicherweise galt das auch in jedem Fahrgeschäft: Ob auf der Holzachterbahn oder einer langsamen Bootsfahrt: Nur jede zweite Reihe wurde mit Besucher*innen besetzt. Bedeutet auch: Niemand spuckt dir mehr in den Nacken beim Schreien, wenn die Achterbahn in den “free fall” geht und die Endorphine freigesetzt werden. Und Glückshormone brauchen wir alle doch so dringend gerade.

Nach einer wilden Fahrt hieß es dann wieder: Hände desinfizieren. Realität. Virus. Überall, wirklich überall, gab es Spender mit Desinfektionsmittel, das ich nach jeder Attraktion, jedem Fahrgeschäft, jedem Kontakt mit einer Person oder einer Türklinke benutzt habe.

Video: Öffnung der Freizeitparks nach der Corona-Krise – Familie testet den Spaßfaktor

Wie ist die Lage in deutschen Freizeitparks?

Wenn ihr einen Freizeitpark aktuell besuchen wollt, müsst ihr die Tickets vorab buchen. So regulieren die Parkbetreiber*innen die maximale Anzahl von Gästen. Doch wie ist die Situation eigentlich in deutschen Parks? Disneyland ist auf jeden Fall ein Vorbild in Sachen Corona-Maßnahmen, aber ist das hier genauso?

Heide Park Resort

Eine Freundin von mir war kürzlich im Heide Park Resort in Soltau. Sie hatte einen ähnlich schönen Tag wie ich: “Wir trugen die meiste Zeit unsere Masken: in der Nähe der Attraktionen, beim Anstehen, sogar auf der Achterbahn. Beim Looping sind die natürlich verrutscht – Spaß gemacht hat´s trotzdem mega!” An manchen Fahrgeschäften hätten sie länger als sonst stehen müssen – teilweise bis zu einer Stunde. “Mit Maske in der Sonne war das ganz schön anstrengend. Leute, die den Abstand nicht eingehalten haben, wurden via Lautsprecher ermahnt oder sogar aus der Schlange geworfen. Aber die meisten Leute haben sich dran gehalten und die Stimmung im Park war fröhlich und entspannt, wir haben uns sehr wohlgefühlt.”

Den Gedanken, dass Drängler*innen via Lautsprecher ermahnt würden, finde ich belustigend. Und praktisch. Ein einziges Mal musste ich das selbst erledigen. In einer Schlange standen zwei junge Frauen hinter mir stets auf dem “Bitte hier nicht stehen”-Schild. Einmal wies ich sie freundlich auf das Schild hin (“selbsterklärend, oder?”). Das zweite Mal war weniger freundlich, dafür wirksam.

Ich wäre sehr dankbar gewesen, wenn das jemand via Lautsprecher übernommen hätte. Das Fazit meiner Freundin: “Trotz Maske, Abstand und dauerklebrigen Händen von all dem Desinfektionsgel hat sich der Tag im Heidepark ziemlich ‘normal’ angefühlt, das tat nach all den Wochen alleine zu Hause richtig gut.”

Endlich wieder Quality Time mit der ganzen Familie 🤗 Wohin wir im Phantasialand auch schauen, wir sehen glückliche Kinder 👦👧 und entspannte Eltern 👩👨. Hört doch mal hin, wie ihre Herzen höher schlagen 🎥

Phantasialand

Ein weiterer beliebter Freizeitpark in Deutschland ist das Phantasialand. Dort war vor kurzem eine RTL-Kollegin, die lange überlegt hatte, ob sie sich inmitten der Pandemie überhaupt in einen Freizeitpark trauen sollte. “Schließlich bin ich dort sonst Menschenmassen gewohnt”, sagt sie. Außerdem graute es ihr davor, den ganzen Tag die Maske zu tragen.

Doch sie und ihre Schwester trauten sich und kauften ein Ticket für einen warmen Sonntag im Juni: “Jeder, der schon einmal im Phantasialand war, weiß, dass Sonntag der denkbar schlechteste Tag für einen Besuch ist. Und doch war es der beste Freizeitparkbesuch, den ich je hatte. Es war viel weniger los als sonst. Selbst bei den tollsten Achterbahnen haben wir maximal 20 Minuten angestanden. Dort warten wir sonst eher zwei Stunden, bis wir fahren können.” Auch die Maske habe sie beim Achterbahnfahren – und beim Schreien – nicht gestört. Ähnlich wie im Heide Park, aber anders als in Disneyland, gilt dort zwar eine Maskenpflicht in den Wartebereichen und den Fahrgeschäften, aber nicht ÜBERALL. Mir persönlich hat es in Disneyland ein besonders gutes Gefühl gegeben, dass alle Menschen überall ihre Maske trugen (außer beim Essen).

Das Fazit meiner Kollegin: “Ich würde es jederzeit wieder machen. Ich hatte nicht das Gefühl eingeschränkt zu sein, im Gegenteil, denn ich habe mich sehr sicher gefühlt und hatte den Eindruck, dass das Sicherheitskonzept wirklich aufging.”

Tanzen mit Micky Maus und Goofy

Jetzt fehlt nur noch mein eigenes Fazit: Die Vorfreude darauf, mit Micky Maus für ein Instagram-Foto zu posieren oder die Parade anzugucken, war groß. Doch als klar war, dass das Corona-bedingt nicht klappt, war ich weniger traurig als beeindruckt. Dass es keine gute Idee ist, wenn ein und dieselbe Disney-Figur an einem Tag Tausende Menschen umarmt, hätte mir auch vorher klar sein können. Dafür tanzten Micky und Minnie mit Goofy und Donald Duck auf einem Balkon, der mehr als 1,5 Meter weit weg war, und winkten zum Abschied. Ich winkte zurück und die Lachfalten unter meinen Augen zuckten ein letztes Mal an diesem Tag in Disneyland Paris.

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