"God of War" im Test: Eine PC-Portierung eines Gottes würdig
  • Vier lange Jahre mussten PC-Spieler auf „God of War“ warten.
  • Jetzt ist der einstmals PlayStation-exklusive Titel auch endlich für den PC erschienen.
  • Und das Abenteuer um Kriegsgott Kratos in Midgard zeigt sich auf der neuen Plattform in seiner bisher besten Form.

Eine KritikvonThomas Pillgruber

Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Kriegsgott Kratos ist zurück und feiert gleichzeitig Premiere. Denn obwohl „God of War“ bereits 2018 für die PlayStation erschien, darf sich der Geist von Sparta seit dem 14. November erst jetzt auch auf dem PC austoben. Und das zum allerersten Mal überhaupt. Vorausgesetzt, man klammert das kleine Textadventure „God of War: A Call From The Wilds“ aus, das als Appetitanreger einige Monate vor dem Hauptspiel von 2018 für den Facebook Messenger veröffentlicht worden war. Aber mal ehrlich – wer erinnert sich daran bitte noch?

„God of War“ wurde bei seiner Erstveröffentlichung mit Lob überhäuft. Aber macht das Spiel auf dem PC eine ebenso gute Figur wie auf der Konsole? Denn in der Vergangenheit mussten PC-Spieler des Öfteren mit lieblosen Portierungen vorliebnehmen. Man nehme beispielsweise Resident Evil 4. Ein großartiges Spiel, zumindest auf der Konsole.

Auf dem PC erschien das Survival-Abenteuer 2007 in einem Zustand, bei dem man sich mindestens vier Finger brechen und drei weitere anknacksen musste, um es irgendwie spielen zu können. Erst sieben Jahre später wurden dann in einer separaten „Ultimate HD Collection“ die schlimmsten Mängel ausgebessert.

Um zu klären, ob „God of War“ ein ähnliches Schicksal bestimmt ist, haben wir uns die PC-Version genauer angeschaut.

„God of War“: Eine PC-Portierung wie aus dem Lehrbuch

Um es kurz zu machen: Wer seit Jahren darauf wartet, Kratos‘ bislang letztes Abenteuer endlich auf dem PC spielen zu dürfen, kann erleichtert sein. Die PC-Umsetzung „God of War“ ist eine Portierung wie aus dem Lehrbuch.

Die neue Maus- und Tastatursteuerung ist nicht, wie bei so vielen anderen Portierungen, lediglich zweckmäßig, sondern kann locker mit dem Gamepad mithalten. Nur die Zielunterstützung ist uns beim Test negativ aufgefallen.

Während diese beim Gamepad nützlich ist, bremst sie beim Zielen per Maus zu stark und ist damit eher hinderlich als hilfreich. Weil sich das aber mit einem Klick beheben lässt, ist es auch kein großes Problem. Zudem lässt sich die Tastatur-Steuerung frei belegen. Wer also mit einer der Voreinstellungen nicht zurechtkommt, kann diese einfach nach seinen eigenen Wünschen anpassen.

Natürlich können auch potenzielle PC-Kriegsgötter weiterhin einen Controller nutzen. Auch hier gibt’s nichts zu meckern. Kratos steuert sich per Pad immer noch flüssig und präzise. Einziges Manko: Frei belegen lassen sich die Tasten des Controllers nicht. Lediglich für einige Tastenkombinationen gibt es alternative Optionen.

Etwas hübscher als zuvor und technisch einwandfrei

Was hat sich aber denn nun eigentlich bei der PC-Version von „God of War“ im Vergleich zu der Konsolen-Fassung getan? Inhaltlich gibt es keine Neuerungen. Der große Unterschied liegt in den Optionen bei der Grafik. Denn am PC lässt sich die ohnehin schon wunderschöne und liebevoll gestaltete Welt des Spiels noch detailreicher darstellen.

Das Grafik-Update fällt aber primär im Vergleich zur Ur-Version des Spiels für die PS4 auf. Denn für die PS5 wurde das Spiel bereits einmal aufgehübscht und kommt der PC-Fassung grafisch ziemlich nahe.

Allerdings unterstützt das Spiel auf dem PC eine 4K-Auflösung und eine Ultrawide-Ansicht im Format 21:9. Darüber hinaus bietet es noch einige zusätzliche Optionen, um die Grafik zu optimieren. Diese verändern aber nur Details. So lassen sich etwa mehr und schärfere Schatten einstellen. Einen wirklichen „Sprung“ macht die Grafik der PC-Umsetzung nicht.

Muss sie aber auch nicht. Selbst wenn man die Grafik auf die Voreinstellung „Original“ setzt, die mit minimalen Veränderungen der Darstellung auf der PS4 entspricht, sieht „God of War“ noch immer verdammt gut aus. Die Welt ist wunderschön gestaltet, detailreich und oftmals kann man sich nahezu nicht an den Kulissen, die Midgard und die anderen Welten der nordischen Mythologie bieten, sattsehen.

Wichtiger ist da schon, dass auf dem PC die „Frames per Second“ (FPS) nicht mehr begrenzt sind. Dadurch läuft das Spiel deutlich geschmeidiger als auf den Konsolen. Auch sonst hatten wir in unserem Test absolut nichts an der Technik auszusetzen.

„God of War“ lief auf unserem gehobenen Mittelklasserechner butterweich und abgesehen von einem einzigen Grafik-Glitch, sind uns keine Bugs oder Fehler begegnet. Ein technisch einwandfreies PC-Spiel … wer hätte gedacht, dass es sowas 2022 noch gibt?

Ein Kriegsgott sucht die Abgeschiedenheit

Aber worum geht es denn jetzt eigentlich in „God of War“? Das Spiel beginnt Jahre nach den Ereignissen des dritten Teils der Reihe. Die Geschichte lässt sich zwar auch gut verstehen, wenn man die Vorgänger nicht gespielt hat. Wenn man die Geschehnisse aus den früheren Spielen kennt, fällt es aber deutlich leichter, den Charakter von Kratos nachzuvollziehen.

All jenen, die kurz und knapp alles Wichtige über die Handlung der „God of War“-Reihe erfahren wollen, können wir diese (nicht ganz ernst gemeinte) Zusammenfassung wärmstens empfehlen.

God of War: Die ganze Story auf hessisch

Für alle anderen reichen vorab folgende Infos zur Geschichte: Nachdem Kratos den Olymp in Blut getränkt und seinen Rachefeldzug gegen die Götter beendet hat, kehrte er Griechenland den Rücken. Stattdessen lebt er inzwischen in Midgard, einer der neun Welten aus der nordischen Mythologie, zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn ein zurückgezogenes Leben. Zumindest bis seine Frau stirbt.

Zusammen mit seinem Sohn macht sich Kratos daraufhin auf den Weg, ihren letzten Wunsch zu erfüllen: Die beiden sollen ihre Asche vom höchsten Gipfel der neun Welten verstreuen. Schnell wird allerdings klar, dass die Reise viel schwerer wird als erwartet.

Zum einen, weil der ruppige und verschlossen Kratos sich zum ersten Mal wirklich mit seinem Sohn, zu dem er quasi keine Beziehung hat, auseinandersetzen muss. Zum anderen mischt sich schon bald die Gefolgschaft von Götter-Allvater Odin in die Belange des Duos ein.

Eine zerrüttete Vater-Sohn-Beziehung aufzuarbeiten, klingt zunächst nicht nach einer neuen erzählerischen Idee. Auch in welche Richtung sich die Story entwickelt, dürfte für viele Spieler schnell klar werden. Aber wie so oft liegt auch bei „God of War“ die Stärke der Geschichte nicht unbedingt darin, was erzählt wird – sondern wie.

Kratos zeigt erstmals echte Emotionen

So bekommt Kratos, der in den früheren Teilen nur eine Abziehschablone eines cholerischen und rachsüchtigen Kriegers war, im Zwiegespräch mit seinem Sohn erstmals wirklich Tiefgang. Dass er keine Sekunde zögert, sich auf einen Oger zu stürzen, um ihm die Fontanelle zu Klump zu kloppen, aber es einfach nicht über sich bringen kann, seinem eigenen Sohn die Hand auf die Schultern zu legen, passt zu seinem vom Krieg, Verlust und den eigenen Sünden gebeutelten Charakter.

Atreus verkommt dabei nicht zum bloßen Stichwortgeber für seinen Vater, sondern ist ebenfalls glaubwürdig geschrieben. Er versteht nicht, warum Kratos so abweisend ist, versucht alles, um ihm zu gefallen und verzweifelt stellenweise an dieser scheinbar unlösbaren Aufgabe.

Gerade in den solchen emotionalen Momenten setzt „God of War“ auf Subtilität. Wenn Kratos langsam auftaut und seinem Sohn näher kommt oder mit seinen inneren Dämonen kämpft, wird das oft nicht pompös inszeniert, sondern in kleinen Nuancen vermittelt. Dank des hervorragenden Motion Capturing kann man dem Vater-Sohn-Gespann ihre jeweilige Gefühlslage sogar aus den Gesichtern ablesen.

Auch die Lokalisierung trägt dazu bei, die emotionale Wucht in der Geschichte zu transportieren. Kratos und Atreus, sowie auch alle der durchweg gut geschriebenen Nebencharaktere, sind wundervoll vertont. Die deutsche Sprachausgabe ist dabei grundsolide, aber wessen Englisch gut genug ist, sollte das Spiel im Originalton spielen.

Die ist nämlich nochmal um ein ganzes Stück besser. Hier passen alle Sprecher wie die Faust aufs Auge und selbst wenn Christopher Judge als Kratos Atreus zum 1.000 Mal als „Boy“ bezeichnet, hört man es jedes Mal gerne.

„Dark Souls“-Light in Midgard

Das Gameplay von „God of War“ besteht aus einer Trias aus Kämpfen, Erkundung und Rätseln. Bei den Scharmützeln steht Kratos als neue Standard-Waffe eine Axt zur Verfügung, die per Knopfdruck von überall wieder zu ihm zurückfliegt.

Außerdem kann er einen Schild für Blocks verwenden und mit bloßen Fäusten auf die Gegner einprügeln – etwa, wenn er einem davon das Beil ins Gesicht geworfen hat. Später gesellt sich noch ein weiters Mordwerkzeug zu seinem Arsenal, aus Spoiler-Gründen wollen wir darauf aber hier nicht eingehen. Hat der Kriegsgott genug Wut aufgebaut, kann er zudem in eine Art Berserker-Modus wechseln.

Atreus hingegen setzt im Kampf primär auf seinen Bogen, geht aber auch immer wieder in den Nahkampf. Dabei agiert er weitestgehend selbständig und dank der guten KI ist er auch eine wirkliche Unterstützung. Per Knopfdruck lassen sich ihm bestimme Aktionen wie etwa das Abfeuern von Pfeilen auf Gegner befehlen.

Im Lauf des Spiels lassen sich weitere Fähigkeiten und Combos für Kratos und Atreus freischalten, die noch mehr taktische Möglichkeiten bieten. Zudem können wir Kratos‘ Axt mit jeweils einer leichten und einer schweren Spezialattacke ausstatten. Atreus darf hingegen Tier-Geister beschwören, die uns für einen kurzen Moment beiseite stehen.

„God of War“ verfolgt bei den Kämpfen eine Art „Dark Souls“-Light-Ansatz und spielt sich damit deutlich anders als die Vorgänger. Im Klartext heißt das: weniger Gegner, die sind dafür aber auch größere Bedrohungen als früher.

Sobald man den Bogen raus hat und zwischen Kratos‘ Waffen und seinen Fäusten je nach Situation hin und her wechselt, spielen sich die Scharmützel recht flott, werden teilweise aber auch echt knackig.

Neue Kleider für den Götter-Töter

Unfair fühlen sie sich hingegen nur an, wenn man auf Gegner trifft, die noch zu stark für das Vater-Sohn-Duo sind. Denn sowohl die Waffen als auch die Rüstungen der beiden lassen sich austauschen und aufwerten, was maßgeblich das Stärke-Level von Kratos bestimmt. Ist das zu niedrig, bestaunt Kratos schon nach ein bis zwei Treffern die Radieschen von Hades aus der Horizontalen.

Mit besserer Ausrüstung kann Kratos es nicht nur mit zäheren Feinden aufnehmen, sondern sich auch spezialisieren. Etwa die Abklingzeiten für seine Spezialfähigkeiten senken oder sein Leben und seinen Angriffsschaden erhöhen. Zudem haben manche Ausrüstungsgegenstände noch kleine Talente, die bei bestimmten Aktionen eine Chance haben, ausgelöst zu werden. Atreus bekommt über die Ausrüstung lediglich passive Boni. Etwa eine schnellere Feuerrate mit dem Bogen.

Das Ausrüstungssystem ist zudem einer der Hauptgründe, die Welt um sich herum zu erkunden. Überall kann das Duo nämlich Rohstoffe finden, die man zur Optimierung des Equipments braucht. Immer wieder fällt die Suche nach den Materialien aber unangenehm auf. Das Spiel wirft einem gefühlt alle zwei Meter eine Truhe mit Rohstoffen vor die Füße, was einen ständig vom eigentlichen Ziel ablenkt und den Spielfluss etwas stört.

Um an die Rohstoffe ran zu kommen, oder auch mit der Story voranzukommen, müssen wir regelmäßig allerlei Rätsel lösen. Dazu benutzen wir nach dem Zelda- oder Metroidvania-Prinzip unsere Waffen oder gefundene Werkzeuge, um an vorher unzugängliche Orte zu gelangen.

Unsere Axt können wir etwa benutzen, um Zahnräder einzufrieren, damit sie Türen offenhalten. Die Rätsel sind generell spaßig und viele sind wirklich kreativ. Gleichzeitig ist kaum eins davon so schwer, dass es Spieler wirklich lange ausbremst.

Fazit zur PC-Portierung von „God of War“

„God of War“ war und ist ein großartiges Spiel – egal ob auf dem PC oder der Konsole. Im Vergleich zur PS5-Version hat die PC-Umsetzung die Nase um eine Chaosklingen-Länge vorne. Wirklich ins Gewicht fallen die Änderungen aber nicht.

Wer „God of War“ schon für eine Konsole besitzt und lediglich auf ein Grafik-Update gehofft hatte, kann die PC-Version getrost ignorieren. Dafür sind die Verbesserungen nicht wesentlich genug.

Allen anderen Interessenten können wir nur ans Herz legen, dieses durchweg runde Abenteuer nachzuholen. Denn „God of War“ ist eines der besten Singleplayer-Games der letzten Jahre.

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