Händels “Der Messias”, inszeniert von Torsten Fischer

Georg Friedrich Händels „Messias“ in einer szenischen Fassung von Torsten Fischer im Gärtnerplatztheater

Erst brüllt jemand, Gott sei tot. Auf den Schleier vor der Bühne wird die Anzeigetafel eines Flughafens projiziert. Zum „Halleluja“ flimmern Börsenkurse, gehetzte Menschen arbeiten an Laptops, es regnet Dollars und dem oberkörperfreien Jesus werden Maschinenpistolen umgehängt.

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Torsten Fischers Inszenierung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Messias“ verdoppelt im Gärtnerplatztheater wuchtige Massenszenen mit wuchtiger Chormusik. Das macht eine zeitlang Eindruck. Wer aber öfter im Theater sitzt, kennt diesen selbstgefälligen Herzjesu-Antikapitalismus, der keinem weh tut, zur Genüge. Und man stellt sich vor, wie nun die Kapitalisten angesichts dieser Kritik vor Angst schlottern.

Irischer Katholizismus drübergestülpt

Die Musik kann zur Rettung nur wenig beitragen. Das Orchester des Gärtnerplatztheaters spielt unter Anthony Bramall mit Kompromissen historisch informiert. Wenn die Sopranistinnen des Chors in mehrstimmigen Passagen als erste einsetzen, wird die musikalische Luft eher dünn. Die vielen Wackler mögen der Premierennervosität und der Darstellung geschuldet sein. Aber man fragt sich, wieso die Chance, den Chor des Theaters musikalisch herauszustellen, in dieser Aufführung so wenig genutzt wird.

Händels „Messias“ ist – im Unterschied zu anderen Oratorien – eine Meditation nach Worten der Bibel über das Warten auf den Erlöser, seine Passion und die Überwindung des Todes durch die Auferstehung. Fischer fehlte der Mut zu freien, assoziativen Bildern. Er geht den todsicheren Weg und stülpt dem Werk eine Geschichte über: Zwischen den Musiknummern hadert Maria mit der Mission ihres Sohnes, die nur Leiden und Enttäuschung über sie gebracht hat.

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