Hanau: Frau stirbt nach der Geburt an Corona – Kollegen spenden jungem Witwer ihre Urlaubstage

Eine rührende Hilfsaktion in verzweifelter Lage

Corona nimmt ihm seine Frau – und seinem Kind die Mutter. Plötzlich steht ein junger Mann ganz alleine mit dem Baby da, tief in Trauer. Sein Chef kommt auf eine Idee. Und weil jeder Angestellte ein klein wenig abgibt, kommt am Ende eine ganz große Geste an Mitgefühl und Unterstützung dabei heraus.

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Eine riesige Tragödie

Den Schmerz, den der junge Mann aus dem Kosovo gerade durchlebt, den kann ihm keiner nehmen. Labinot S. lebt mit seiner schwangeren Frau Eagle in Butterstadt bei Hanau, arbeitet für einen Landschafts- und Gartenbauer, berichtet der “Hanauer Anzeiger”. Im Januar erkrant das Ehepaar an Corona. Bei der werdenden Mutter verläuft die Viruserkrankung so schwer, dass die Ärzte ihr ungeborenes Kind im siebten Monat frühzeitig per Notkaiserschnitt auf die Welt bringen müssen. Es ist ein Junge.

Danach wird die junge Frau ins künstliche Koma versetzt. Obwohl das Baby bei seiner Geburt nur 980 Gramm wiegt, geht es ihm gut – aber seiner Mama nicht. Im März verstirbt sie, ohne ihren kleinen Sohn jemals gesehen zu haben. Für den jungen Vater Labinot muss eine Welt zusammen gebrochen sein.

“Wir sind ein Familienunternehmen, ich habe selbst drei kleine Kinder”, erzählt Lukas Odenwäller dem “Hanauer Anzeiger”. Er ist der Chef des jungen Witwers und weiß: irgendetwas muss er tun, um ihn zu unterstützen. Der Betrieb habe eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter.

Niemanden lässt das Schicksal kalt

Die Anteilnahme im Betrieb ist groß und so kommt Lukas Odenwäller auf eine Idee: Er bietet seinen Angestellten an, ihre eigenen Urlaubstage abzugeben, zu spenden, damit der junge Witwer Zeit für seinen Sohn hat, Zeit, diese Tragödie zu verarbeiten.

Und die rund 150 Angestellten? Die zögern nicht. Mittlerweile sind über 160 Urlaubstage zusammengekommen, die Labinot S. jetzt für sich und sein Baby in Anspruch nehmen kann, entweder als tatsächlich freie Zeit oder ausgezahlt, zur finanziellen Unterstützung. Im Schnitt hat also jeder Angestellte ein bisschen was über einen Urlaubstag abgegeben.

Für jeden Einzelnen fällt ein Tag Urlaub mehr oder weniger vermutlich kaum auf – aber in Summe kommen dabei rund 4 Wochen extra freie Zeit für Labinot heraus.

Aber damit nicht genug. “So werden wir jeden gespendeten Tag mit 200 Euro pro Mitarbeiter und mit 100 Euro pro Auszubildendem auszahlen”, sagt Lukas Odenwäller. Der Betrieb stockt diese Summen jeweils nochmals um die Hälfte auf.

Ein Wahnsinnsgeste voller Mitgefühl.

Der junge Witwer ist gerührt

Das empfindet auch Labinot S. so. Auf Facebook postet er:

“Ich persönlich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft meiner Kolleginnen und Kollegen. Im Namen meiner Familie, der Familie meiner verstorbenen Frau und im Namen meines Sohnes danke ich allen, die mich in dieser schwierigen Zeit begleiten, mit Urlaub oder auch finanziell unterstützen und mir Mut machen die Zukunft mit Gottes Hilfe zu schaffen.”

Und auch wenn ihm den Schmerz niemand nehmen kann, darüber, dass er seine Frau und sein Sohn seine Mama verloren hat, so hat er die Gewissheit: seine Arbeitsfamilie, die steht hinter ihm und unterstützt ihn, wo sie kann.





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