Long-Covid: Diese Rezepte britischer Köche sollen Patienten Linderung verschaffen

Patienten leiden unter Geschmacks- und Geruchsverlust

Von Long Covid sprechen Mediziner, wenn die Symptome der Erkrankung über drei Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion noch immer vorhanden sind. So leiden viele Menschen noch Wochen oder Monate nach ihrer Covid-19-Erkrankung auch unter dem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes. Das hat zwei britische Köche auf die Idee gebracht, Rezepte speziell für Long-Covid-Patienten zu entwickeln.

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Patienten nehmen bestimmte Essensgerüche als abstoßend war

“Extrem abstoßend, wie verrottendes Abwasser.” Für eine Essenskritik ist das ein vernichtendes Urteil. Aber laut dem Kochbuchautor Ryan Riley können Fleisch, Eier, Knoblauch und Zwiebeln für Menschen, die an Covid-19 oder Long Covid erkrankt sind, genau so schmecken. Verantwortlich dafür ist ein verzerrter Geruchssinn: Mediziner sprechen von Parosmie.

“Als bekannt wurde, dass viele Menschen mit Covid-19 unter Geschmacks- und Geruchsverlusten leiden, war unser erster Gedanke: Was können wir tun, um zu helfen?”, erinnern sich Ryan Riley und Kimberly Duke. Die beiden Köch*innen beschließen, ihre bisherigen Rezepte von Grund auf zu überarbeiten.

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Riley setzt auf säurehaltige, geschmacksintensive Zutaten

Auf der Suche nach Alternativen experimentieren sie gemeinsam mit Lebensmittelwissenschaftlern, die vorschlagen, die fünf Geschmackselemente – Aroma, Umami, Textur, Schichtung und trigeminale Nahrungsempfindungen (das Kribbeln von Gewürzen) – zu kombinieren, um neue Gerichte zu kreieren.

Außerdem stützen sich auf die Erkenntnisse von Medizinern, die ihn bei dem Kochbuch unterstützen. So setzt der Koch auf Gerichte mit “frischem Geschmack”, wie er dem kanadischen Fernsehsender CTV News sagt. Gekocht werden mit unter anderem mit Zutaten, die besonders säurehaltig sind, wie beispielsweise Essig und Zitronen, aber auch Honig und Vanille, die besonders geschmacksintensiv sind.

Das Ergebnis sind Gerichte, die von feuriger Tomatensuppe mit Sesam-Butter-Toast bis hin zu vegetarischen Ananas-Tacos mit roter Paprika und Feta reichen. “Wir verlassen uns nicht nur auf Knoblauch und Zwiebeln und all die typischen Geschmacksprofile”, sagt Riley. “Das ist es, was das Buch “Taste & Flavour” so einzigartig macht.”

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Rezept: Feurige Tomatensuppe mit Sesam-Butter-Toast

Zutaten für zwei Portionen:

  • 3 Esslöffel extra-natives Olivenöl
  • 3 Teelöffel Chilipaste
  • 10 große Tomaten (geviertelt)
  • 2 Esslöffel Malzessig
  • 2 Scheiben Sauerteigbrot
  • 1 Esslöffel gesalzene Butter
  • 1 Teelöffel geröstete Sesamsamen (schwarz und weiß)
  • Meersalz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  1. Heizen Sie den Ofen auf 250°C/230°C Umluft vor.
  2. Verquirlen Sie das Olivenöl und die Chilipaste in einer Schüssel und geben Sie die Tomaten hinzu. Schwenken Sie die Tomaten darin, um sie mit dem Öl und er Paste zu beschichten.
  3. Geben Sie die Tomaten auf ein Backblech und würzen Sie sie mit Salz und Pfeffer.
  4. Rösten Sie sie etwa 35-40 Minuten im Ofen.
  5. Stellen Sie einige der Tomaten zum Garnieren beiseite und geben den Rest der Tomaten samt Sud bei niedriger bis mittlerer Hitze in einen Topf. Pürieren Sie die Masse mit einem Pürierstab, bis sie glatt ist.
  6. Geben Sie das kochende Wasser und den Essig hinzu und würzen Sie alles mit Salz.
  7. Bringen Sie alles für zwei bis drei Minuten zum Kochen und lassen sie die Suppe ein wenig einköcheln.
  8. Schmecken Sie die Suppe mit Salz und frischem Pfeffer ab.
  9. Toasten Sie das Brot nach Belieben.
  10. Verrühren Sie in der Zwischenzeit in einer Schüssel die weiche Butter und den Sesam und bestreichen Sie das heiße Toastbrot damit.
  11. Teilen Sie die Suppe auf zwei Schalen auf, bestreuen Sie sie mit ein paar zusätzlichen Sesamsamen und servieren Sie sie mit dem Toast.

Rezept für Kirsch-Mandel-Törtchen:

Zutaten für 4 Törtchen:

  • 200 g Kirschen, entsteint
  • Schale und Saft von 1 Orange
  • 1 Teelöffel Vanillepaste
  • 2 Teelöffel Mandelextrakt (geschmolzen)
  • 4 einzelne süße Blätterteig-Törtchenformen
  • Zucker
  • 2 Esslöffel gefriergetrocknete Himbeeren

Zubereitung:

  1. Den Backofen auf 200°C/180°C Umluft vorheizen.
  2. Geben Sie die Kirschen zusammen mit der Orangenschale, dem Saft, dem Zucker und der Vanille in einen kleinen Topf.
  3. Erhitzen Sie alles bei mittlerer Hitze 5-6 Minuten lang, bis die Kirschen weich werden und der Zucker sich zu einem Sirup aufgelöst hat.
  4. Rühren Sie währenddessen in einer Schüssel die gemahlenen Mandeln und das Mandelextrakt in die geschmolzene Butter ein, bis eine Paste entsteht.
  5. Legen Sie die Förmchen auf ein Backblech und geben Sie in jedes die etwa gleich Menge der eingeweichten Kirschen. Achten Sie darauf, dabei nicht zu viel des kochenden Sirups hinzuzugeben.
  6. Bewahren Sie den Sirup auf.
  7. Geben Sie einen Esslöffel der Mandelmischung auf die Kirschen.
  8. Backen Sie die 15-20 Minuten, bis die Oberseite leicht golden ist.
  9. Nehmen Sie die Törtchen nun aus dem Ofen und lassen Sie sie auf dem Blech abkühlen.
  10. Bereiten Sie den Zuckerguss zu, indem Sie den Puderzucker in eine große Rührschüssel geben und sechs Esslöffel des Kirschsirups hinzugeben. Rühren Sie alles zu einer glatten Masse.
  11. Träufeln Sie den Zuckerguss mit einem Teelöffel auf die Törtchen. Bestreuen Sie die Törtchen zum Schluss mit den gefriergetrockneten Himbeeren.

Life Kitchen hilft Krebs- und Long-Covid-Patienten

Mit ähnlichen Rezepten haben Riley und Duke durch ihre Vorgeschichte bereits Erfahrung: Beide haben ihre Eltern durch Krebs verloren. Und auch im Laufe einer Krebsbehandlung verlieren viele Patienten ihren Geschmacks- oder Geruchssinn oder erleben Veränderungen.

Während des zweijährigen Kampfes seiner Mutter Krista mit dem Krebs sah Ryan, wie die Chemotherapie ihre Fähigkeit, Essen zu schmecken und zu erleben, beeinträchtigte. Nach ihrem Tod wollte er seine Kochkünste nutzen, um Krebspatienten zu helfen, wieder Geschmack und Freude am Essen zu finden. Und so gründete er gemeinsam mit Kimberly Life Kitchen als gemeinnützige Kochschule für Menschen, deren Geschmack durch Krebs oder Krebsbehandlung beeinträchtigt ist.

Nun wollen sie dort auch Menschen helfen, deren Geschmackssinn infolge einer Corona-Erkrankung beeinträchtigt ist.

Das sollten Long-Covid-Patienten bei ihrer Ernährung beachten

Bei vielen Long-Covid-Patienten sind nicht nur Geschmacks- und Geruchssinn beeinträchtigt. Viele haben auch Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt, leiden unter Durchfällen, aber auch Gewichtsverlust oder -zunahme. Bei manchen Patienten ist die Atmung erschwert, sodass die Atemmuskulatur unterstützt und wieder aufgebaut werden muss. Wieder andere fühlen sich erschöpft und geschwächt. “Bei all diesen Symptomen kann eine gesunde Ernährung mit den richtigen Lebensmitteln helfen”, weiß Ernährungsexpertin Nora Rieder.

“Hochwertiges Eiweiß mit bestimmten Aminosäuren, wie sie beispielsweise in Thunfisch, Hafer, Mais, Hirse und Hülsenfrüchten enthalten sind, können den Muskelaufbau unterstützen”, erklärt Rieder. “Wenn Geschmacks- und Geruchssinn sehr stark beeinträchtigt sind, sollten Sie auf Lebensmittel setzen, die besondere Geräusche beim Verzehr erzeugen, wie zum Beispiel ein frischer Apfel.” Durch die Geräusche wie in diesem Fall das Knacken des Apfels könnte über andere Sinne wie das Hören die Erinnerung an den Geschmack und damit der Appetit angeregt werden.

“Außerdem sollten regelmäßig nährstoffreiche, frische Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen. Auf verarbeitete, nährstoffarme Lebensmittel wie Fertiggerichte, helles Brot, Süßigkeiten und Softdrinks sollte hingegen möglichst verzichtet werden”, empfiehlt Rieder. Letztlich müsse jedoch der Bedarf und die passende Ernährungstherapie von Patient zu Patient individuell abgeklärt werden, je nach dominierendem Symptom der Long-Covid-Erkrankung. (nri)



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