Metabolische Azidose: Weit verbreitet, selten erkannt – so krank macht die Übersäuerung des Körpers

Übersäuerung des Körpers hat vielerlei Auswirkungen

Ob Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Gicht: Es gibt etliche Krankheiten, von denen wir wissen, dass sie durch eine einseitige Ernährung begünstigt oder ausgelöst werden können. Den Säure-Basen-Haushalt haben hingegen die wenigsten auf dem Schirm. Dabei kann auch eine Übersäuerung des Körpers – eine sogenannte Azidose – weitreichende Folgen für unsere Gesundheit haben.

Akute Azidose tritt eher selten auf

Von einer akuten Azidose (Übersäuerung) spricht man, wenn der pH-Wert des Blutes unter 7,35 liegt. Diese ist jedoch eher selten und wird durch schwere Erkrankungen ausgelöst, wie Mediziner Dr. Christoph Specht erklärt. “Man unterscheidet die respiratorische und die metabolische Azidose”, erklärt der Experte. “Die respiratorische Azidose ist eine Folge schwerer Atemwegserkrankungen. Dabei kann der Körper nicht ausreichend Kohlendioxid (CO2) abatmen”, so Specht. Wenn CO2 in zu hoher Konzentration im Körper verbleibe und sich anstaue, könne dies zu einer Übersäuerung führen, da Kohlendioxid sauer ist.

Ursache der metabolischen Azidose hingegen könne beispielsweise Diabetes mellitus oder ein diabetisches Koma sein. “In dem Fall kommt es zu einer stoffwechselbedingten Übersäuerung”, so Specht. Ein typisches Symptom sei der Aceton-Geruch der Betroffenen.

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Akute Azidosen können lebensgefährlich sein und müssen in der Regel intensivmedizinisch behandelt werden.

Symptome einer chronischen Azidose sind vielfältig

Doch auch in der Alternativmedizin werde von Azidose gesprochen. “Diese sogenannte Gewebsazidose ist im Blut jedoch nicht nachweisbar, sondern nur in den Zellen”, erklärt Specht. In diesem Fall ist der Säure-Basen-Haushalt des Körpers gestört.

Etwa 90 Prozent der Deutschen leiden an solch einer chronischen Azidose. Viele, ohne davon zu wissen. Denn die Symptome einer Übersäuerung sind vielfältig: Sie reichen von Müdigkeit, Muskelkrämpfen über Kopfschmerzen bis hin zu Sodbrennen und einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.

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Was sind die Ursachen einer chronischen Azidose?

Ursache einer chronischen Azidose ist eine falsche Ernährung. “Dadurch kommt es in den Zellen zu einer Übersäuerung, die im Blut aber nicht nachweisbar ist”, erläutert der Mediziner. “Im Normalfall ist unser Körper in der Lage, den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht und den pH-Wert stabil zu halten.” Dies gelinge mit Hilfe verschiedener Puffersysteme, die sowohl eine Übersäuerung wie auch eine Alkalose verhinderten. Dazu zählten beispielsweise Atmung, Schweiß oder Urin.

“Wenn wir uns jedoch dauerhaft falsch mit zu vielen säuernden Lebensmitteln ernähren oder auch wichtige Organe wie die Nieren nicht mehr richtig funktionieren, kann es zu einer Störung der Regulation und in Folge zu einer chronischen Azidose kommen”, fasst auch Ernährungsexpertin Nora Rieder zusammen. “Fakt ist, dass viele Menschen zu 80 Prozent säurebildende und zu 20 Prozent basenbildende Lebensmittel zu sich nehmen – empfehlenswerte wäre es aber genau andersherum”, so Rieder.

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“Außerdem ist es wichtig, dass wir ausreichend trinken – also mindestens 1,5-2 Liter am Tag, damit die Nieren gut durchspült und Stoffwechselprodukte ausgeschieden werden”, so die Expertin weiter. Zudem könne ein ungesunder Lebensstil mit zu wenig Bewegung, viel Stress, Alkohol- und Nikotinkonsum eine chronische Übersäuerung begünstigen.

So beugen Sie einer chronischen Azidose vor

Greifen Sie bevorzugt zu basischen Lebensmitteln. “Der sogenannten PRAL-Wert gibt an, ob Lebensmittel basisch (-) oder säuernd (+) auf unseren Körper wirken”, erklärt Rieder. PRAL steht dabei für “Potential Renal Acid Load”. Der Wert spiegelt also die Säurebelastung der Nieren durch ein Lebensmittel. “Auf unseren Geschmack können wir uns hierbei leider nicht verlassen. Denn obwohl eine Zitrone beispielsweise sauer schmeckt, wirkt sie auf unseren Körper basisch.”

“Vor allem tierisches Eiweiß wie Fleisch und Wurstprodukte, aber auch Eier und Fisch wirken säuernd”, erklärt die Ernährungsexpertin. “Je mehr Eiweiß wir aufnehmen, umso höher die Säureausscheidung.” Während komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornprodukte eine neutrale Wirkung hätten, wirkten einfache Kohlenhydrate wie Zucker und Weißmehl säuernd. “Gemüse, Salat und Obst hingegen wirken basisch. Diese sollten also einen Großteil unserer Ernährung ausmachen”, unterstreicht Rieder.

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Grundsätzlich gilt also: Greifen Sie bei Obst, Gemüse und Salat zu. Sie liefern viele Vitamine und Ballaststoffe und sind wichtig, um den Säureeintrag durch Eiweiß auszugleichen. “Um die Säurebelastung des Körpers durch 100 Gramm Fleisch auszugleichen, müssen wir in etwa 400 Gramm Gemüse, Salat und Obst zu uns nehmen”, erklärt Rieder. Essen Sie Fleisch und Wurstprodukte daher in Maßen – die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt nicht mehr als 300-600 Gramm pro Woche. Trinken Sie ausreichend – vor allem Bicarbonat-haltige Mineralwässer wirken positiv. Treiben Sie Sport und verzichten Sie so oft wie möglich auf Alkohol.


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