Scheinfasten: So gut ist das Fasten mit Essen – Ein Selbstversuch

Inhaltsverzeichnis

  • Scheinfasten – Was ist das?
  • Was darf beim Scheinfasten gegessen werden?
  • Was passiert beim Scheinfasten mit dem Körper?
  • Scheinfasten – Meine Erfahrung
  • Mein Fazit zum Scheinfasten

Scheinfasten – das Thema begegnet mir momentan an jeder Ecke. Und als ich kürzlich Barbara Becker in einer Talkshow begeistert darüber sprechen hörte, war mir klar: Das will ich auch unbedingt ausprobieren. Doch bevor ich von meiner Erfahrung mit der Fünftage-Kur berichte, hier ein kleiner Überblick darüber, was Scheinfasten eigentlich genau ist:

Scheinfasten – Was ist das?

Auch wenn gerade erst jetzt alle Welt davon redet: Scheinfasten ist nicht neu, sondern gibt es schon länger. Es handelt sich dabei um ein fünftägiges, fastenimitierendes Ernährungsprogramm und beruht auf der 20-jährigen Forschung des Biologen und Altersforschers Prof. Valter Longo. Sinn und Zweck des Scheinfastens ist es, den Körper in den Fastenmodus zu bringen, obwohl dabei – wenn auch reduziert – gegessen wird. Der große Vorteil: Den meisten Menschen fällt es leichter, eine zeitlang das Fasten durchzuhalten, wenn sie dabei wenigstens ein bisschen essen können. "Scheinfasten ist durch den begrenzten Zeitraum und das Essen also auch für "Diät-Muffel" erklimmbar", wie mir Ernährungsexpertin Nicole Staabs erklärt, die ich zum Thema Scheinfasten befragt habe. Und: "Schon der 5-tägige Verzicht auf Lebensmittel wie Kuhmilch, Haushaltszucker und einfache Kohlenhydrate führen zu einem Gewichtsverlust, einer besseren Verdauung und damit einem besserem Körpergefühl. Die Motivation, sich künftig besser zu ernähren, steigt dadurch und wird häufig in den Alltag übernommen."

Was darf beim Scheinfasten gegessen werden?

Wer scheinfastet, darf nur kalorienreduziert, eiweiß- und kohlenhydratarm essen. Kurz gesagt: Nur kleine Mengen kohlenhydratarmes Gemüse und pflanzliche Fette in Form von Ölen und Nüssen können gegessen werden. So dürfen an Tag 1 nur 1.000 bis 1.100 Kalorien, maximal 50 g Kohlenhydrate und maximal 25 g Eiweiß zugeführt werden. Ab Tag 2 sogar nur 725 bis 800 Kalorien, 50 g Kohlenhydrate und maximal 17 g Eiweiß.

Während Valter Longo in seiner eigens erstellten ProLon-Diät Fastende mit recht kostspieligen Fertiggericht-Boxen versorgt, hat Barbara Becker zusammen mit Ernährungsexpertin Franca Mangiameli leckere Rezepte extra für das Scheinfasten entwickelt.

Was passiert beim Scheinfasten mit dem Körper?

Da der Körper bzw. die Zellen diese Kombination nicht als Nahrung erkennen, schalten sie in den Fastenstoffwechel. Das bedeutet, dass die Zellen Fettsäuren und daraus gebildete Ketonkörper zur Energiegewinnung verwenden und nicht wie sonst Zucker. Dieser Prozess nennt sich Ketose und hat einige positive Effekte auf den Körper und die Zellen:

  • Fettabbau, vor allem im Bauchbereich
  • Recycling von nicht mehr funktionsfähigen Zellen und Zellbestandteilen. Im Körper wird aufgeräumt und aus alten werden neue Bausteine hergestellt, die für lebenswichtige Prozesse wichtig sind
  • Aktivierung der Stammzellen: Das Verjüngungspotential der Stammzellen bleibt möglichst lang erhalten – unser Körper wird jünger und gesünder
  • Widerstandskraft gegen Stress wird gestärkt

Scheinfasten – Meine Erfahrung

Vorbereitung

Als Wegweiser für meine Scheinfasten-Erfahrung hat mir das Buch "Five Days Only" von Barbara Becker gedient. Die Idee, mir selbst kleine, leckere Mahlzeiten zubereiten zu können, hat mir einfach gefallen. Zudem wird man mit hilfreichen Tipps und Informationen durch die Fastentage begleitet.

Vor Beginn der Fastentage habe ich mir für jeden Tag jeweils drei Mahlzeiten aus dem Rezepte-Anhang des Buches ausgesucht und dafür eingekauft. Durch das Einkaufen vor der Kur wollte ich verhindern, dass ich zwischendurch hungrig durch den Supermarkt laufen muss.

Pro Tag darf man zwei Hauptmahlzeiten, egal ob morgens, mittags oder abends einnehmen, sowie einen kleinen Snack. Ich nehme mir vor, meine Hauptmahlzeiten mittags und abends einzunehmen und zwischendurch einen Snack einzuplanen. Morgens habe ich eh meist keinen Hunger.

Tag 1 – Es geht los

Nachdem ich nicht, wie von Barbara Becker und Franca Mangiameli empfohlen, am Vorabend nur einen leichten Snack zu mir genommen habe, sondern mit meiner Familie gemeinsam Lasagne gegessen habe, starte ich mit einem großen Fragezeichen über meinem Kopf in den ersten Fastentag. Ob ich wirklich durchhalte, wenn ich schon in der Vorbereitung den Verführungen nicht widerstehen kann? Außerdem esse ich oft und gern Süßigkeiten und andere Knabbereien. Das wird schwer.

Mein Programm ist wirklich hart, denn ich habe mir vorgenommen, während der kommenden fünf Tage auch auf meinen geliebten Kaffee zu verzichten. Auch wenn dies aus medizinischer Sicht nicht nötig ist. Schwarz darf man seinen Kaffee weiter trinken. Doch ohne Milch bekomme ich das Zeugs nicht runter.

Bis mittags trinke ich nur Tee. Das fällt schon etwas schwer und ich freue mich auf meine erste Scheinfasten-Mahlzeit am Mittag: Zucchinispaghetti mit Oliven und Tomaten. Und die sind auch wirklich toll, ruckzuck gemacht und als Clou werden Macadamianüsse über das Gericht gerieben, was ein bisschen an Parmesan erinnert. Die Portion ist auch okay, schließlich darf heute noch mehr gegessen werden als an den folgenden Scheinfasten-Tagen. Besonders toll: Das Nachmittags-Tief, in das ich sonst oft nach dem Mittagessen falle und am liebsten mit dem Kopf auf meiner Tastatur schlafen würde, bleibt aus. Die leichte Mahlzeit scheint meinem Körper bzw. meinem Gehirn keinerlei Energie zu entziehen, wie es sonst kohlenhydratreiche Mittagessen machen. 

Und so geht es relativ beschwingt auch durch den Rest des Tages. Als Snack gönne ich mir um 16 Uhr Himbeeren mit Pecannüssen und um 18 Uhr ein grünes Gemüsecurry mit Pilzen, das in 10 Minuten fertig ist und wirklich himmlisch schmeckt.

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Tag 2 – Der Kopf macht Ärger

Ich leide schon mein Leben lang immer wieder unter Migräne. Meist kommt sie bei Wetterwechseln, Stress und Unregelmäßigkeiten beim Schlaf und Essen. Daher meldet sie sich natürlich auch jetzt pünktlich. Bereits beim Aufwachen spüre ich ein Hämmern in meinen Schläfen. Da ich weiß, dass ich diese anfänglichen Kopfschmerzen direkt im Keim ersticken muss, bevor sie mich komplett im Griff haben, beginne ich den zweiten Scheinfasten-Tag mit einer Ibuprofen-Tablette und bin deswegen etwas deprimiert.

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Der innere Schweinehund rät mir aufzuhören und sagt, das Ganze sei doch eh nicht gesund, wenn ich mich jetzt schon so fühle. Doch ich frage wieder Ernährungsexpertin Nicole Staabs und sie beruhigt mich. Sie ist ebenfalls Fan, dieser Ernährungsmethode und überzeugt, dass Scheinfasten gut für meinen Körper ist, weil er während der Fastentage alles bekommt, was er braucht. "Die zugeführte Kalorienanzahl sorgt dafür, dass der Körper ausreichend versorgt wird und nicht in den Hungerstoffwechsel wechselt." Alles also im grünen Bereich.

Mittags gönne ich mir leckere Auberginenpizzen mit Avocado und Tomaten, ein absolutes Wahnsinnsrezept! Es macht mir richtig gute Laune und ich hätte nie gedacht, dass Scheinfasten so lecker sein kann. Nachmittags versalze ich leider die Wirsing-Chips, die als Snack gedacht waren und freue mich daher umso mehr auf das Mediterrane Ofengemüse, was mich kulinarisch allerdings nicht so richtig befriedigt. Ich brauche eine Geschmacksexplosion und sehne mich nach einem dicken Stück Schokolade in meinem Mund. Außerdem bin ich ganz schön schlapp.

Was mich freut: Meine Ketose-Teststreifen, die ich mir extra besorgt hatte, zeigen an: Bingo, Ketose! Mein Bauchfett kann sich also mal zum Teufel scheren. Das Scheinfasten funktioniert.

Um nicht auf dumme Gedanken zu kommen – die Schokolade ruft aus dem Küchenschrank immer wieder meinen Namen – gehe ich lieber früh ins Bett und träume, nicht von Schokoschmelz auf meiner Zunge sondern vom Schmelzen meines Bauchfetts. Hach, ist das schön!

Tag 3 – Wow, es geht mir gut!

Heute fühle ich mich richtig gut. Die Kopfschmerzen sind verschwunden und ich habe viel mehr Kraft als am Tag zuvor. Ist das schon das Fastenhoch, von dem immer alle sprechen? Außerdem habe ich das Gefühl, dass mein Bauch schon viel flacher aussieht. Die Wage bestätigt mir: Ich habe tatsächlich schon ein ganzes Kilo abgenommen. Das motiviert mich, mit dem Scheinfasten weiterzumachen.

Mittags gibt es bei mir eine leckere Gemüsesuppe mit Pilzeinlage. Ich bin überrascht, denn die Menge ist wirklich beachtlich; ich kann mir sogar noch einen zweiten Teller auffüllen, bis der Topf endlich leer ist. Anschließend habe ich das Gefühl, richtig viel gegessen zu haben, obwohl auch dieses Gericht gerade mal 290 Kalorien hat.

Den Nachmittag versüße ich mir mit einem Teller Papaya-Carpaccio. Die 7 Euro für die Frucht haben sich gelohnt und durch geriebene Macadamia und die Limetten-Tropfen ist dieser Snack einfach die Wucht!

Abends gönne ich mir nochmal das Curry von Tag 1, weil das so lecker war.

Gemein: Mein Freund setzt sich doch tatsächlich mit einer ganzen Schachtel Haselnuss-Pralinen neben mich aufs Sofa. Doch ich bleibe standhaft. Schließlich bin ich schon so weit gekommen, das versau ich mir jetzt nicht für ein Stück Schokolade. Auch wenn es so, so schön wäre …

Tag 4 – Hallo Kopfschmerzen, da seid ihr ja wieder

Ich habe wieder richtig tief und fest geschlafen. Ich lese in "Five Days only", dass dies nicht bei jedem Fastenden so ist. Viele leiden unter wilden Träumen und Schlaflosigkeit. Dafür sind am späten Vormittag meine Kopfschmerzen zurück und mir ist immer wieder ziemlich schwindelig. Ich merke, wie zwischendurch meine Hände zittern. Um meinen Blutdruck aus seiner Senke zu holen, mache ich ein paar Pilates-Übungen (ebenfalls im Buch zu finden) und achte darauf, richtig viel Wasser zu trinken. Es hilft: Langsam wird es besser und die Energie kommt zurück.

Noch ein Grund zur Freude: Es hat sich ein weiteres Kilo verabschiedet. Und das ist auch kein Wunder, denn mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, wie oft ich sonst im Laufe des Tages in unsere Süßigkeiten-Schublade in der Küche greife. Ständig nasche ich etwas. Ich nehme mir vor, dieses Bewusstsein auch nach Fastenende weiter mit mir zu tragen und achtsamer mit Nahrung umzugehen.

Heute gibt es bei mir eine Zucchini-Kokos-Suppe, nochmal Papaya und eine Brokkolisuppe mit geröstetem Knoblauch und Tomatentopping. Ich bin zum Suppen-Fan mutiert. Nicht nur weil sie herrlich schmecken, sondern weil sie durch ihren hohen Wasseranteil auch viel Volumen haben – man kann also lange und viel davon essen. 

Abends quäle ich mich wieder. Ich möchte etwas knabbern, am besten Würziges. Außerdem steigt mein Appetit auf Eiweiß. Ich sehne mich regelrecht nach einer Schale mit Quark. Heißhunger auf Quark? Das hatte ich wirklich noch nie. Muss daran liegen, dass ich in den letzten Tagen so wenig Eiweiß hatte. Trotzdem schlafe ich gut ein und das wieder tief und fest.

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Tag 5 – Yeah, Endspurt!

Heute fühle ich mich richtig gut. Ich bin voller Energie und auch richtig stolz auf mich. Ich habe durchgehalten und dieser letzte Tag wird doch ein Klacks, oder?! Ich merke allerdings, wie ich immer ungeduldiger werde. Ich kann mein Quark-Frühstück kaum noch erwarten und möchte, dass dieser letzte Scheinfasten-Tag schnell vergeht. Wieder werde ich zwischendurch zittrig. Ein langer Spaziergang nach dem Mittagessen, Curry-Sellerie-Apfel-Suppe (Yummie!), kann mich aber ganz gut ablenken.

Als Snack gibt's nochmal Papaya. Die muss ja weg. Und abends gönne ich mir eines meiner Lieblingsgerichte in dieser Woche: Grapefruit-Tomaten-Avocado-Caprese. Eine ganz außergewöhnliche Kombination, auf die ich selber nie gekommen wäre, die aber einfach traumhaft schmeckt.

Der Abend, es ist Freitag, ist nochmal ziemlich schwer. Normalerweise schaue ich zum Einstieg ins Wochenende gern eine NDR-Talkshow, öfter auch mal mit einem Gläschen Wein dazu. Die eine Hälfte dieses Abendprogrammes geht heute leider nicht. Allerdings entspannt mich der Gedanke daran, dass ich ab morgen wieder halbwegs normal essen darf.

Tag 6 – Quark, ich komme!

Die "Five Days Only"-Diät ist zwar beendet, doch auch heute muss ich noch ein bisschen darauf achten, was ich esse. Es darf wieder Eiweiß sein – yeah, Quark ich komme! Auf Alkohol, Zucker und Junkfood sollte man aber (noch) verzichten und auch zu viele Kohlenhydrate sollten es noch nicht wieder sein.

Mit zittrigen Händen esse ich meine Schüssel Quark mit Früchten, trinke einen Milchkaffee und schwöre: Mit so viel Genuss habe ich noch nie gefrühstückt. 

Mein Fazit zum Scheinfasten

Ich bin begeistert vom Scheinfasten. Zwar sind die fünf Tage auch kein Spaziergang und man muss sich immer wieder motivieren, um durchzuhalten, aber es ist weitaus leichter, als ganz ohne feste Nahrung zu fasten. Nach den Fastentagen fühle ich mich energetisch aufgeladen, frisch und leichter. Und das bin ich auch: Ganze 3,5 Kilo. Meine Haut hat von der kurzen Kur auch profitiert: Sie sieht rosig und glatt aus. Ja, ich kann sagen, dass ich sogar einen gewissen Glow habe.

Das Beste aber ist, dass ich gelernt habe, dass man zum Sattwerden nicht unbedingt kohlenhydratreiche Nudeln, Kartoffeln oder Reis braucht. Man kann sich mit wenig Aufwand wunderbare kalorienarme Gerichte zaubern, die lecker sind und sättigen. Ich habe wirklich eine etwas andere Einstellung zum Essen bekommen und meine Essgewohnheiten verändert.

Schon jetzt nehme ich mir vor, bald wieder ein Scheinfasten einzulegen. 

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