Theresienhöhe: Kunst schauen, bis der Hirsch röhrt

München – Noch vor ein paar Jahren galt das Terrain hinter der Bavaria als echter Geheimtipp. Mittlerweile muss man sich seine kleine Ruheoase schon suchen. Doch das ändert nichts an der Attraktivität dieses kleinen idyllischen Parks. Und unter der Woche hat man sogar Chancen auf einen Bankplatz in der Sonne.

Theresienhöhe: Sieben Hektar zum Flanieren

Dass hier oben auf der Theresienhöhe ein etwa sieben Hektar großes Areal zum Flanieren angelegt wurde, hat mit der geplanten Ruhmeshalle Ludwigs I. zu tun. Der bayerische König ließ 1831 einen Eichenhain anlegen, in dem zunächst die Villa Theresienburg für seine Gemahlin angedacht war. Dazu kam es nicht, doch der Park im englischen Stil sollte wenigstens als Naturkulisse für die ab 1843 erbaute Säulenhalle dienen, sozusagen als elysische Gefilde für die “Erwählten”.

Ab 1872 durfte dann das gemeine Volk einige Tage im Jahr lustwandeln. Im Vorfeld der großen Leistungsschau “München 1908” wurde der Park mit Spazierwegen versehen und künstlerisch mächtig aufgepeppt.

Münchner Bildhauer besonders gefragt

Die Bildhauer der Landeshauptstadt waren vor allem gefragt, das heißt, die Anhänger des überaus präsenten Erneuerers Adolf von Hildebrand wie zum Beispiel dessen Schüler Theodor Georgii. Von ihm stammt der minuziös gearbeitete Bronzehirsch auf der Ostseite des Parks. Dann Fritz Behn, der den ziemlich groben Herkules auf einem Stier geschaffen hat. Man erkennt den halbgöttlichen Haudrauf am Löwenfell auf dem Rücken.

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Zur Runde gehört natürlich auch Hermann Hahn, der eine Jungfrau auf einem Einhorn gemeißelt hat – das Duo soll die Schönheit symbolisieren. Oder Carl Ebbinghaus, von dem man vor allem das Denkmal des Schmied von Kochel an der Lindwurmstraße kennt. Im Bavariapark steht von diesem Schüler Hildebrands eine sportliche Reiterin. Und schließlich hat Bernhard Bleeker, der in der NS-Zeit keine rühmliche Rolle spielen sollte, einen Jüngling auf einem Stier mit Widdergehörn und Fischschwanz beigesteuert.

Statuen aus Bavariapark teilweise im Stadtmuseum

Dass sich Bleeker an seinem Vorbild und Fürsprecher Hildebrand und dessen Wittelsbacher Brunnen (zwischen Maximilians- und Lenbachplatz) orientiert, ist nicht zu übersehen. Der athletische Bursche steht mit seinem Füllhorn übrigens für den Reichtum und war Teil einer von Gabriel von Seidl konzipierten Brunnenanlage.

In den Jahren 1907 und 1908, also in der Prinzregentenzeit, entstanden noch ein paar weitere Skulpturen für den Bavariapark. Manche sind inzwischen in Hellabrunn aufgestellt oder im Münchner Stadtmuseum gelandet. Denn mit dem Wegzug der Messe nach Riem ist der Park noch einmal dezent umgestaltet und revitalisiert worden.

Ende des Rundgangs beim Fabelwesen

Wem all die hehre Kunst dann doch etwas zu schwülstig wird, der verlasse den Park am besten hin zum alten Messeplatz. Dort hat es sich 2007 – also genau 100 Jahre nach den Fabelwesen der Hildebrand-Fraktion – die “Sweet Brown Snail” von Jason Rhoades und seinem Lehrer Paul McCarthy gemütlich gemacht.

Dank seiner Knopfaugen ist das Schleichtier aus Fiberglas selbst mit einer Höhe von 4,50 Metern immer noch “süß” und der Star bei den kleinen Besuchern. Wobei die Schnecke auch wieder ganz gut zur Parkidylle passt. Und genauso zum Runterschalten in kuriosen Zeiten.

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