Die Pläne für die Jubiläumsspielzeit

Wie die Münchner Symphoniker ihre kommende Saison durchführen, in der das Orchester seinen 75. Geburtstag feiert

Ein gut trainiertes Rennpferd wird unruhig, wenn es über längere Zeit im Stall verharren muss. Ungefähr so würden sich derzeit die Musiker der Münchner Symphoniker fühlen, erzählt Tilman Dost, selbst ehemaliger Orchestergeiger und seit ein paar Monaten neuer Intendant des Klangkörpers.

Wenn sie dann die coronabedingte Isolation für einen der wenigen Auftritte verlassen könnten, so berichten einige Spieler, wären sie nervöser als sonst, weil sie ja derzeit keine Auftrittsroutine hätten. Dazu kommt noch die Unsicherheit. Konzertprojekte werden momentan nicht nur danach geplant, ob sie sich finanzieren lassen. Die Durchführung muss sich auch und zuerst nach einem Virus und einem Infektionsgeschehen richten, das derzeit noch keiner ganz versteht, geschweige denn beherrscht.

Zwei Schlüsselwerke der Moderne

Wie es der Zufall will, ist das gerade für die kommende Saison misslich. Denn die Münchner Symphoniker feiern ihren 75. Geburtstag. Von dem Allround-Musiker Kurt Graunke gegründet, absolvierte das nach ihm benannte Symphonie-Orchester 1945 seinen ersten Auftritt; bis zum Jahr 1989 wurde es von ihm geleitet. Kevin John Edusei, Chefdirigent seit 2014, spricht mit Respekt von dieser Ära, doch seitdem hat sich das Orchester fundamental gewandelt. Das zeigt schon das von Edusei dirigierte Jubiläumskonzert, das nicht etwa gehobene Unterhaltungsmusik bringt, sondern unter dem Titel „1945“ zwei Schlüsselwerke der Moderne koppelt, die in diesem Jahr komponiert worden sind: das Konzert für Orchester von Béla Bartók und das Oboenkonzert D-Dur des späten Richard Strauss mit dem orchestereigenen Solisten Zurab Gvantseladze (8. Oktober).

Auch das weitere Programm der anstehenden Jubiläumssaison demonstriert, dass die Münchner Symphoniker selbstbewusst in der selben Klasse wie etwa die Philharmoniker oder das BR-Symphonieorchester spielen wollen: Da finden sich etwa unter dem Titel „Bildnis“ Kolosse wie die vier Tondichtungen nach Arnold Böcklin von Max Reger und die „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky in der Instrumentierung von Maurice Ravel, zusammen mit dem Klavierkonzert Nr. 2 c-moll von Sergej Rachmaninow und dem Solisten Alessio Bax (22. Oktober).

Das Klavierkonzert von Hermann Levi

Als eine Art „artist-in-residence“ firmiert die Geigerin Fabiola Kim, die gleich zweimal das Violinkonzert D-Dur von Ludwig van Beethoven spielen wird (am 26. Februar und am 10. Mai). Aber auch ungewöhnliche Werke werden präsentiert wie etwa das Klavierkonzert a-moll des Uraufführungsdirigenten von Richard Wagners „Parsifal“, Hermann Levi, mit dem Pianisten Markus Becker (27. November), oder ein Solo-Konzert für die traditionelle japanische Laute Shamisen mit dem international renommierten Spezialisten Hidejiro Honjoh (17. Dezember).

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