"4 Blocks"-Star Rauand Taleb: "Ich fühle mich deutsch"

Er hielt die emotionalste und peppigste Rede beim deutschen Schauspielpreis: Rauand Taleb. Mit t-online redet der “4 Blocks”-Darsteller über seine blutende Hand, Integration und sagt, warum er in seiner Heimat Irak als Ausländer gilt.

Am Freitagabend traf sich das who is who des deutschen Films im Berliner Restaurant Spindler & Klatt, um der Verleihung des deutschen Schauspielpreises beizuwohnen. Stars wie Lars Eidinger, Anja Kling oder Fahri Yardim, der sich humorvoll darüber ausließ, dass er noch nie nominiert gewesen sei. Statt Kunst zu machen, habe er Geld verdient, besitze Amazon-Aktien und habe mit einem Audi vorfahren können.

Bei “beste Nebenrolle” wurde es spannend

Bei Getränken wie Martini Fiero Tonics oder Moscow Mule wurde mal an der Spree-Promenade der Location flaniert, mal war man in Gespräche vertieft. Doch eigentlich ging es hier nicht (nur) um Drinks, Essen mit dem Motto Kürbis oder nette Gespräche, sondern primär um den deutschen Film und dessen Schauspieler.

In der Kategorie “Beste Nebenrolle” waren Lars Eidinger für “Babylon Berlin”, Tobias Moretti für “Gipsy Queen” sowie Rauand Taleb für “4 Blocks” nominiert. Durchsetzen konnte sich der Iraker Taleb, der in der Gangster-Serie die Figur Zeki spielte. Und Taleb legte die mit weitem Abstand aufregendste Rede des Abends hin.

Er kämpfte mit den Tränen, schrie vor Freude mehrfach ins Mikro, schlug auf den Tisch und verletzte sich dabei, verlor mehrfach den Faden in seiner Rede, zerknüllte seinen Stichwortzettel. Diese Danksagung machte Spaß und peppte den Abend enorm auf. Im Anschluss an seine Preisrede sprach er mit t-online.

t-online: Glückwunsch zum Preis! Sie hatten gerade Ihr Handy in der Hand. Wem haben Sie als Erstes geschrieben?

Rauand Taleb: Ich habe bisher nur Nachrichten lesen können. Ich habe so viele Nachrichten bekommen und nur schnell etwas bei Instagram gepostet. Aber ich konnte noch nicht lesen, was Mama, Papa, mein Bruder, meine Verlobte und so geschrieben haben.

Ihre Rede war sehr emotional und wirkte sehr spontan. Hatten Sie sich vorbereitet?

Es war chaotisch, ja. (lacht) Ich habe einen Zettel vorbereitet und irgendwie blute ich jetzt an der Hand, weil ich wohl auf das Pult geschlagen habe. Eigentlich war die Rede genau wie die Arbeit bei “4 Blocks”, wo vieles spontan und natürlich entstanden ist. So bin ich halt. Ich freue mich richtig und zeige dann auch meine Emotionen. Ich denke, es ist immer gut, wenn man den Leuten keine Maske zeigt, sondern sich als sich selbst präsentiert.

Zerknüllt und blutig: So sah die Rede nach der Ansprache aus. (Quelle: Privat)

Ist dieser Preis jetzt als 28-Jähriger Ihr großer Durchbruch?

Ja, ich denke schon. Das ist etwas ganz wichtig und bedeutet mir echt viel. Das ist pure Freude. Ich war ja mit zwei Legenden nominiert. Das bedeutet mir viel.

In Ihrer Rede sagten Sie “Ich möchte nicht die Flüchtlingsschiene fahren. Ich bin Deutscher.” Wie haben Sie das gemeint?

Man soll mich nicht nur darauf reduzieren. Ich bin Schauspieler und somit bin ich auch wandelbar. Durch das Geschminkt werden kann man sich total verändern. Die können dir eine blonde Perücke geben und dich total deutsch aussehen lassen. Da kann man den Schritt wagen und sagen ‘Das ist zwar ein nicht-deutscher Schauspieler, aber aus dem machen wir einen Deutschen’. So kann man diesen AfD-Menschen zeigen, dass Flüchtlinge – meine Eltern flohen aus dem Irak – hier etwas erreichen können. Ich zahle ja auch Steuern. Digga, so viel Steuern, wie ich aktuell zahle, habe ich noch nie gezahlt. (lacht) Das will die Branche, das Medium Film diesen Leuten auch deutlich machen.

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Was macht denn für Sie dieses “Deutscher sein” aus?

Ich habe einen Hund. (lacht) Und eine deutsche Verlobte. Ich fühle mich einfach deutsch. Ich bin schon so lange hier und fühle mich hier wohl. Es ist mittlerweile so, dass ich mich fremd in meinem Heimatland fühle. Wenn ich zurück gehe, dann bin ich für die Leute dort ein Ausländer.

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