Gericht gibt bekannt: Regisseur Dieter Wedel gestorben
  • Nach Monaten des Wartens wollte das Landgericht München I mitteilen, ob und wann es zum Vergewaltigungsprozess gegen Dieter Wedel kommt.
  • Nun wird es keine Verhandlung mehr geben.
  • Dieter Wedel ist tot.

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Der Regisseur Dieter Wedel ist tot. Er starb bereits am 13. Juli in einem Krankenhaus in Hamburg, wie das Landgericht München I am Mittwoch mitteilte, wo ein Strafverfahren gegen Wedel anhängig war. Das Gericht habe eine offizielle Bestätigung für den Tod Wedels erhalten.

Das Gericht wollte ursprünglich am Mittwoch bekannt geben, ob es zu einem Prozess gegen Wedel kommt. Das Verfahren gegen ihn wird nach Gerichtsangaben nun eingestellt.

Nach Angaben seiner Anwalte starb Wedel „nach langer schwerer Krankheit“.

Dieter Wedel ist tot: Ein Rückblick auf den Regisseur mit zwei Seiten

Staatsanwaltschaft hatte Wedel im März 2021 angeklagt

Das Verfahren gegen den 82-Jährigen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung sei damit „ohne Weiteres beendet“, heißt es in dem Anwaltsschreiben, das Peter Gauweiler und seine Kollegen am Mittwoch verbreiteten.

„Anlass für die Fortsetzung öffentlicher spekulativer Erwägungen besteht nicht“, schreiben die Juristen – und kritisierten die Berichterstattung über das Strafverfahren gegen ihren Mandanten: „Das Verfahren gegen unseren Mandanten wurde medial zum angeblichen ‚Musterverfahren‘ einer gesellschaftlichen Bewegung aufgebauscht.“

In der Erklärung von Wedels Anwälten heißt es abschließend: „Das durch den Tod unseres Mandanten beendete Verfahren erweist sich somit als bedrückendes Beispiel dafür, wie durch einseitige Skandalisierung und moralisierende Verfolgungsmentalität Grundlagen des rechtsstaatlichen Strafverfahrens unter Druck geraten und in Frage gestellt werden können.“

Die Staatsanwaltschaft hatte Wedel im März vergangenen Jahres wegen eines Vorwurfs aus dem Jahr 1996 angeklagt. Die Schauspielerin Jany Tempel hatte Wedel vorgeworfen, er habe sie damals in einem Münchner Luxushotel vergewaltigt – ein Vorwurf, den Wedel bestritt.

Wedels Anwälte sprachen bei der Anklageerhebung von Vorverurteilung und betonten die Wahrscheinlichkeit, dass die Anklage gar nicht zugelassen werden könnte – obwohl das in der deutschen Justiz kaum vorkommt.

Mutmaßliches Wedel-Opfer nach Tod des Regisseurs „völlig perplex“

Tempel zeigte sich nach dem Tod des Regisseurs „völlig perplex“. Das sagte ihr Anwalt Alexander Stevens der dpa. Er sprach Wedels Angehörigen sein Beileid aus, betonte aber, dass er davon ausgehe, dass der Prozess gegen Wedel eröffnet und dieser auch verurteilt worden wäre.

Seine Mandantin hoffe, dass sich nach Wedels Tod nun mehr Frauen aus der Defensive wagen – „und ihre Geschichte erzählen“, sagte Anwalt Stevens. Tempel war zuletzt sogar kurzzeitig in den Hungerstreik getreten, um dagegen zu protestieren, dass das Gericht sich mit seiner Entscheidung über eine Verfahrenseröffnung so lange Zeit ließ.

Der Anwalt der Nebenklägerin Tempel hatte die Verzögerung im Verfahren gegen Regisseur erst kürzlich gerügt. „Seit Anklageerhebung sind nunmehr über 14 Monate vergangen“, schrieb Rechtsanwalt Alexander Stevens Mitte Mai in einer Verzögerungsrüge an das Gericht.

Auch bevor die Staatsanwaltschaft überhaupt Anklage erhob, hatte diese schon drei Jahre lang ermittelt. Wedel zählte zu den erfolgreichsten deutschen Filmemachern. Mit seinen Mehrteilern begeisterte er ein Millionen-Publikum und schrieb Fernsehgeschichte.

Widersprüchliche Angaben über Wedels Geburtsdatum

Über Wedels Geburtsdatum gab es zu seinen Lebzeiten widersprüchliche Aussagen. Geboren wurde er nach jetzigen Angaben des Münchner Gerichts am 12. November 1939. Damit war er zum Zeitpunkt seines Todes 82 Jahre alt.

Mit seiner Arbeit startete er in den 1990er Jahren durch. Ein Erfolg jagte den nächsten: „Der große Bellheim“ (1993), „Der Schattenmann“ (1996), „Der König von St. Pauli“ (1998) und „Die Affäre Semmeling“ (2002). Wenn der Geschichten-Erzähler sein neuestes Werk herausbrachte, sprach man mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Neugier vom „neuen Wedel“. Das klang wie ein Gütesiegel – und bewahrheitete sich oft.

Bevor die Vorwürfe gegen ihn im Rahmen der sogenannten #MeToo-Debatte bekannt wurden, war Wedel Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Bei dem Freilicht-Theaterfestival hatte der promovierte Theaterwissenschaftler Zuschauer-Rekorde aufgestellt und dafür gesorgt, dass viel Prominenz zur Eröffnung über den roten Teppich lief.

In Wedels Privatleben ging es turbulent zu. Er hat sechs Kinder von sechs Frauen, unter anderem einen Sohn mit der 2019 gestorbenen Hannelore Elsner. (dpa/AFP/ank)

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