"Ich bin eine, die alles zu Ende führt"

Morgens hilft sie ihrem Mann Johann in seiner Anwaltskanzlei. Die ist prakti­scherweise daheim im bayeri­schen Gröbenzell. So kopiert Monika Baumgartner, 69, vor unserem Interview noch schnell ein paar Schriftsätze und führt einige Telefonate. Nur eine von unzähligen Auf­gaben, die die Schauspielerin quasi nebenbei meistert. Sie kümmert sich um ihre mittlerweile 93-­jährige Mutter, führt mit ihrer Schwester einen Raumausstattungsladen, sammelt Unterschriften für eine behinderte Mitbürgerin, die ihre rollstuhlgerechte Terrasse zurück­bauen soll. Und ihre Biografie hat sie kürzlich auch noch geschrieben: "Alles eine Frage der Einstellung – Mein Leben zwischen Berg und Tal".

Monika Baumgartner ist gut im Geschäft. Gerade läuft die 14. Staffel "Der Bergdoktor". Sie spielt in der Serie Elisabeth Gruber, die herzens­gute und anpackende Mutter der Kompanie. Am 18. März wird das Staffel­-Finale ausgestrahlt – die "Bergdoktor“-Crew steht schon im österreichischen Ellmau für das Winter-­Special 2022 vor der Kamera.

Monika Baumgartner im GALA-Interview

GALA: Was für eine Vielfalt in Ihrem Leben!
Monika Baumgartner: Ja, es ist toll, dass ich einen Beruf habe, den ich immer weiter machen kann und darf, obwohl ich seit einigen Jahren in Rente bin. Und man lernt viele Menschen kennen. Es ist immer was los. Ich bin sehr dankbar, dass wir – im Gegensatz zu vielen anderen – arbeiten dürfen. Unser Raumaus­statter-­Geschäft ist seit Dezember leider geschlossen.

Fahren Sie noch zu Kunden nach Hause?
Am Anfang, vor über 20 Jahren, habe ich viel mehr mitgearbeitet, war mit meinem Schwager auf Montage. Ich mag das sehr, und es macht mir nach wie vor Spaß. Einmal war eine Dame so überrascht, mich zu sehen, dass sie alle Freundinnen aus dem Haus zusammengeholt hat. Wir haben Fotos gemacht und Kaffee getrunken. Sie konnten alle nicht glauben, dass ich ihre Vorhänge aufhänge. Aber die Hauptarbeit machen meine Schwester und die Mitarbeiter. Ich bin für die niederen Arbeiten zuständig. (lacht)




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Und Sie stehen für den Bergdoktor vor der Kamera.
Ja, im Mai geht es mit der 15. Staffel weiter. Wir hätten alle nicht gedacht, dass wir so lange dabei sind und so großartigen Erfolg haben. Das ist ein tolles Gefühl, auch wenn zu den Fan­ Tagen bis zu 2000 Zuschauer kommen. Da haben wir sogar Besucher aus Schweden, Kanada oder Australien. Das ist bewegend. Sie sehen mich als Lisbeth Gruber und fragen mich nach meinen Söhnen. Die Welten vermischen sich. Und tatsächlich sind meine Kollegen meine zweite Familie.

“Ich liege ganz selten auf der Couch”

Im echten Leben haben Sie keine eigenen Kinder, schreiben in Ihrer Biografie, dass dies eine Entschei­dung der Vernunft war. Später verließ Ihr Mann Neil Sie und bekam ein Kind mit einer anderen Frau.
Ich habe damals alles finanziert, hatte 17 Angestellte in unserer Bühnenbaufirma und habe mich gefragt: Wie soll das gehen? Ich habe mir nicht zugetraut, auch noch ein Leben als Mutter zu orga­nisieren. Irgendwann war dann bei mir die Uhr abgelaufen, und er hat sich anderweitig orientiert. Das war eine ganz schwierige Zeit.

In ihrer Rolle als Lisbeth sind Sie eine anpackende Frau. Haben Sie etwas mit ihr gemeinsam?
Sehr viel. Ich bin auch privat eine, die versucht, alles zu organisieren, Lösungen zu finden. Ich bin jemand, der selbstständig Entscheidungen trifft und will, dass alles funktioniert. In Bayern sagt man Wurschtlerin. Ich liege ganz selten auf der Couch.

“Ich kann mir gut selbst helfen”

Wären Sie trotzdem manchmal gern eine dieser feenhaften Frauen, denen alles herbeigezaubert wird?
Ja, natürlich. Ich habe oft gedacht, dass es für diese Damen, die zwei linke Hände haben und für die die Männer alles machen, bestimmt leichter ist. Aber ich bin ganz froh, dass ich nicht immer jemanden brauche. Ich kann mir gut selbst helfen, verdiene mein eigenes Geld. Ich möchte nicht abhängig von jemandem sein. Das wäre ein Albtraum.

Ein modernes Frauenbild.
Das war mir nie bewusst. Ich habe einfach gemacht, was ich für richtig und wichtig gehalten habe. Das hat bisher gut geklappt. Und ich kann mir auch gar nicht vorstellen, dass ich demnächst 70 werde.

Sie haben am 19. Juli Geburtstag. Wie blicken Sie diesem Tag entgegen?
Noch gar nicht. Ich bin so beschäftigt, dass ich das auf mich zukommen lasse. Ich hoffe, dass man sich zusammensetzen und feiern darf.

Macht Ihnen der runde Geburtstag die eigene Endlichkeit bewusster?
Die wird mir die ganze Zeit bewusst, auch durch meine 93-jährige Mutter, durch meine Besuche in Seniorenheimen. Diese Endlichkeit bekomme ich permanent mit. Auch durch viele Krankheiten in meinem Leben. (Monika Baumgartner litt 13 Jahre lang an schwersten Nervenschmerzen, bis im Alter von 33 schließlich ein Tumor in der Leiste entdeckt und entfernt wurde; Anm. d. Red.) Klar mache ich mir diese Gedanken immer wieder. Aber ich hoffe, dass ich sie mir nicht machen muss. Das wünsche ich mir.




2003 vs. 2021 Wayne Carpendale hat sich optisch kaum verändert

Sie hat Lady Gaga kontaktiert

Sie haben mal versucht, Kontakt zu Lady Gaga aufzunehmen, die ähnliche Krankheitssymptome hat wie Sie vor einigen Jahren. Schmerzen im ganzen Körper, die dann als "Rheumatischer Vielmuskelschmerz" diagnostiziert wurden. Hat sie reagiert?
Leider nicht. Ich habe ihr geschrieben, weil ich es sehr interessant fand, wie sie ihre Krankheit beschreibt. Das lief bei ihr alles parallel zu meiner Geschichte ab, und ich hätte mich gern mit ihr ausgetauscht. Ich hab’s zumindest versucht.

Sie lassen grundsätzlich nichts unversucht, oder?
Ich gebe nicht so schnell auf, das ist richtig. Ich bin eine, die alles zu Ende führt, nie mittendrin aufhört. An Dingen, die einem wichtig sind, dranzubleiben – das rate ich allen Menschen.

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