"Ich fühle mich zu 100 Prozent gut und rein"

Das Thema Nachhaltigkeit hat bei Oli P. Priorität. Aus diesem Grund lebt der Schauspieler unter anderem vegan und rettet Lebensmittel. Im Interview mit t-online erklärt er, warum seine Generation diesbezüglich häufig noch Anlaufschwierigkeiten hat. 

Oliver Petszokat ist 43 Jahre alt. Er wurde 1978 in Berlin geboren. Vielen ist der Sänger, Schauspieler und Moderator besser unter seinem Künstlernamen Oli P. bekannt. Er war Ende der Neunzigerjahre in fast 500 Folgen von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ als Ricky Marquart zu sehen und wurde durch diese Rolle deutschlandweit berühmt. Etwa zeitgleich brachte er die Fans zudem mit seiner Musik zum Schwärmen – so auch 1998 mit einem Cover von Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“.

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t-online: Seit wann beschäftigen Sie sich mit einem nachhaltigen Lebensstil?

Oli P.: Seit gut zweieinhalb, drei Jahren verzichten meine Frau und ich strikt auf Plastik, Fast Fashion und ziehen alles durch, um nachhaltiger und besser zu leben. In Berlin fahre ich nur mit dem Elektroauto oder mit dem Fahrrad, die meisten Arbeitsstrecken versuche ich mit dem Zug zu fahren, was leider nicht immer so gut klappt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Was vegane Ernährung angeht, da haben wir langsam angefangen.

Wie genau sah das aus?

Zuerst haben wir sehr wenig Fleisch gegessen, es dann komplett weggelassen und bloß Ziegenprodukte gekauft. Weil wir dachten, dass es da keine Massentierhaltung gibt, wie es bei Hühnern und Schweinen der Fall ist. Der Startschuss für ein veganes Leben war dann die Netflix-Doku „Gamechangers“. Nachdem wir sie gesehen haben, sind wir zum Kühlschrank gegangen, haben noch die letzten Ziegenmilchprodukte in der Familie verteilt und leben seitdem vegan. Ich fühle mich seitdem zu 100 Prozent gut und rein.

Wie weit kommt man als Veganer mit der App „Too Good To Go“, die gegen Lebensmittelverschwendung ankämpft?

Für mich ist sie ideal, denn man kann einen Vegan-Filter einstellen. Damit ergattere ich mir regelmäßig Mix-Gemüse-Überraschungstüten. Das ist super, weil ich sowieso alles frisch und selbst koche und zu Hause für die Lebensmittel zuständig bin. Man weiß vorher nicht, was in den Tüten drin ist, aber das ist die Herausforderung und macht Spaß. Außerdem ist es tausendmal gesünder als jegliche Convenience-Produkte mit zig Zusatzstoffen. Das Selbstkochen bringt einen viel bewussteren Umgang mit Lebensmitteln mit sich.

Inwiefern?

Wenn man sich eine Zeit lang darauf einlässt und auf Convenience-Produkte mit Geschmacksverstärkern verzichtet, schmeckt Obst und Gemüse wieder viel intensiver, weil der Geschmackssinn sich wieder normal entwickelt. Gemüse, Öl, Salz, Pfeffer – fertig!

Haben Sie weitere Tipps gegen Lebensmittelverschwendung?

Es geht einfach darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Ich habe leider auch viel zu spät damit angefangen, bewusster zu leben. Bei meinen ersten Marktbesuchen habe ich noch zu viel gekauft. Da fand ich alles toll, wollte alles mitnehmen, aber habe es dann doch nicht benutzt. Fehler passieren und gehören dazu, aber wenn man etwas bewusst macht und es ausprobiert, kann es nur besser werden. Sinn macht auch ein Einkaufszettel: Ich weiß zum Beispiel, wie viele Bananen ich in der Woche esse oder wie viel Räuchertofu ich brauche. Das macht man ein paarmal, dann macht es schnell Spaß und wird zur neuen Routine. Der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier.

In unserer Großelterngeneration ist Lebensmittelverschwendung undenkbar, auch die jüngeren Generationen denken heute nachhaltiger.

Ja, ich hoffe, dass meine Generation noch offener wird – ob es ums Gendern geht, um Sexismusdebatten, darum, eine politische Position zu beziehen oder eine klare Kante zu zeigen, was Ernährung und Umweltbewusstsein angeht. Viele in meiner Generation müssen sich noch anstrengen, weil es nicht so gelernt ist. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in den Achtziger- und Neunzigerjahren, in der für uns in Deutschland keine großen Krisen zu spüren waren. Meine Generation wurde ohne Sorgen groß, Not und Hunger waren ganz weit weg, das kannte man nur aus dem Fernsehen. Bei meinen Eltern und Großeltern war das ganz anders. Mein Opa hat noch von schlimmen Zeiten gesprochen, da wurde alles aufgegessen, was auf dem Teller lag. „Mag ich nicht“ oder „Ich kann nicht mehr“ gab es nicht. Da war das Bewusstsein da, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man jeden Tag einen vollen Teller hat.

Wenn ein Individuum vegan lebt und weniger Lebensmittel verschwendet, sind das kleine Schritte. Was braucht es Ihrer Meinung nach vonseiten der Politik, um die Klimakrise zu stoppen?

Die jüngeren Generationen – siehe Fridays for Future – haben einen starken Einfluss. Man sieht auch, dass eine vegane Lebensweise zum regelrechten Trend geworden ist, viele Firmen springen auf. Diese Bewegung wird unbremsbar größer. Natürlich arbeitet man aber immer gegen eine Industrie und gegen eine Politik und wünscht sich, dass bestimmte Dinge – wie etwa Massentierhaltung – nicht mehr möglich sind. Da braucht es Entscheidungen der Politik, aber eben auch ein Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft. Wir wissen, wie viel Treibhausgase durch die Misswirtschaft von Umwelt und Tieren entstehen, und mit Verboten seitens der Politik könnte man den Kahn relativ schnell zum Stoppen bringen. Wir wissen aber leider auch – besonders wenn man in Kommentarspalten im Internet schaut –, dass viele Menschen egoistisch und wenig empathisch sind. Ich glaube, bei solchen Personen kommt man mit Verboten nicht weiter. Vielmehr braucht es eine gesunde Mischung aus mehreren Faktoren: Die Industrie muss umdenken, die Politik muss umdenken, die Gesellschaft muss umdenken.

Gibt es denn eine Entwicklung diesbezüglich, die Sie erfreut?

Ja, ich glaube, dass alles in eine richtige Richtung geht, durch die Generationen, die nachkommen. Um die 1,5 Grad einzuhalten, wird das allerdings nicht reichen. Deswegen muss definitiv eine starke Änderung in der Politik kommen.

Da haben wir ja jetzt die Wahl …

Eben, wenn man jetzt nichts ändert – entweder als Partei oder als wahlberechtigte Person: Was soll denn bitte noch alles passieren? Wir sprechen seit Jahrzehnten über die Klimakrise und nichts ist passiert.

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Dafür sehen wir tagtäglich Umweltkatastrophen in den Nachrichten – seien es Waldbrände in der Türkei so groß wie die Schweiz oder Wirbelstürme in Friesland und Haiti. Dazu die mutwillige Abbrennung und Abholzung in Brasilien nur für die Zucht von Tieren, die als Nahrung herhalten sollen. Wenn man jetzt nicht anfängt, die Vorzeichen zu sehen und sich zusammenzunehmen, verspielt man die Chance. Aber wie gesagt, das muss vielschichtig auf vielen Ebenen passieren. Deswegen darf man nicht müde werden, immer wieder darüber zu sprechen und ein Bewusstsein zu schaffen.

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