Nach Missbrauch: Edith Stehfest trifft vor Gericht auf ihren Peiniger

Nach Missbrauch: Edith Stehfest trifft vor Gericht auf ihren Peiniger

Edith Stehfest sagt gegen ihren Peiniger aus

Von Josephine Kahnt

Edith Stehfest wurde als 17-jährige vergewaltigt, erfahren hat sie davon aber erst im Alter von 23 Jahren. 2018 wurde die heute 25-jährige vom LKA gebeten, sich ein Video eines sexuellen Missbrauchs anzuschauen und das Opfer zu identifizieren. Sie identifiziert sich selbst. Heute hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter in Leipzig begonnen. Wie heftig es für Edith ist, ihren Peiniger erneut gegenüber zu stehen, beschreibt sie im Video.

Edith Stehfest ist nicht im Raum, als die Anklage verlesen wird

9:00 Uhr startet der Prozess gegen den 34-jährigen Max H. aus Leipzig. Im Zuschauerbereich sitzt der Mann der Nebenklägerin: Schauspieler Eric Stehfest (31). Edith selber ist in einem separaten Raum, um die Anklageschrift nicht mit anhören zu müssen. In der Anklage wird dem mutmaßlichen Täter zur Last gelegt, Edith Stehfest betäubt und dann sexuell missbraucht zu haben. Außerdem ist er wegen des Verbreitens von kinderpornografischen Dateien und wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt. 

Die Vernehmung von Edith Stehfest findet ohne Zuschauer statt

Schon zu Beginn des Prozesses wirkt der Angeklagte auf mich fahrig, gestresst und hastig. Auch als die Kameras aus dem Gerichtssaal verschwinden, zeigt er sein Gesicht den Zuschauern nicht. Zur Anklage möchte er sich nicht äußern. Die Vernehmung von Edith findet dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, um ihre Intimsphäre zu schützen. Auch das Video des Missbrauchs soll nochmal angeschaut werden.

Im Video: Edith Stehfest spricht über ihre Erfahrung mit sexuellem Missbrauch

Edith Stehfest wurde mit 17 Jahren missbraucht

Edith möchte mit ihrer Geschichte anderen Mut machen

Nach der Vernehmung kann ich mit Edith und Eric sprechen, sie wirken geschafft und dennoch erleichtert. „Es ist unfassbar schwer auszusagen und der Mann sitzt da im selben Raum neben einem“, beschreibt Edith die Vernehmung. „Ich glaube, das Schlimmste ist erst einmal getan: Da rein zu gehen, den zu sehen, befragt zu werden.“ Eric ist stolz auf seine Freundin: „Ich habe vielleicht sogar noch nie eine Frau erlebt, die mit so einer Kraft diesem Thema entgegentritt und auch darüber spricht.“

Für Edith ist der Verhandlungstag geschafft, sie hofft, das es bei dieser einen Befragung bleibt und sie nicht nochmal vor Gericht erscheinen muss. Sie ist mit ihrer Geschichte vor allem an die Öffentlichkeit gegangen, um anderen Frauen Mut zu machen, ebenfalls darüber zu sprechen.

„STEH FEST – Wunder leben“ auf AUDIO NOW

In ihrem Podcast „STEH FEST – Wunder leben“ beschäftigen sich Eric und seine Frau Edith Stehfest mit den größeren und kleineren Wundern, die ihnen in ihrem Leben widerfahren sind. In der aktuellen Sonderfolge spricht Edith zudem noch einmal über das traumatische Erlebnis ihrer Vergangenheit und den aktuellen Prozess. 

Der Angeklagte steht unter Einfluss von Drogen

Nach Edith wird die Krankenschwester befragt, die durch Zufall den USB-Stick des Angeklagten gefunden hat, auf dem das Missbrauchsvideo gefunden wurde. Während dieser Vernehmung und wohl auch schon während der Vernehmung von Edith, schließt der Angeklagte immer wieder seine Augen und scheint einzuschlafen. Einmal kippt sein Körper sogar zur Seite und er fällt fast auf die Tischplatte. Die Richterin verlangt deshalb einen Drogentest, diesem stimmt der Angeklagte nach einigen Diskussionen auch zu. 

Der Drogentest ist positiv. Auf Nachfrage der Richterin gesteht der Angeklagte, am Vortag Speed konsumiert zu haben. Als die Staatsanwältin die Untersuchungshaft für ihn beantragt, bricht er in sich zusammen und fleht das Gericht an, dies nicht zu tun. Dennoch wird die U-Haft vom Gericht erlassen. Denn die Wahrscheinlichkeit, das er beim nächsten Termin wieder unter Drogeneinfluss steht, ist für das Gericht zu groß. Als ich den Saal verlasse, weil die Verhandlung für heute beendet ist, höre ich den 34-jährigen noch Minuten lang heulen. Er bettelt und fleht die Richterin an, ihn als freien Mann aus dem Saal zu entlassen. Der Mann, der da um seine Freiheit bettelt, hat mutmaßlich eine 17-jährige betäubt und sexuell missbraucht und hat über hundert kinderpornografische Videos zur Verbreitung ins Internet gestellt. Die Verhandlung wird am 01.12.2020 in Leipzig fortgesetzt.

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