Promi-Geburtstag vom 1. Juni 2020: Norman Foster

London (dpa) – Selbst die Corona-Krise kann Norman Fosters Schaffensdrang nicht aufhalten: Seine Firma hat Design-Vorlagen für Eltern entworfen, die ihre Kinder mit Papier-Wolkenkratzern daheim beschäftigen wollen.

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Und ein Teil seines neuen Gebäudes für das Krankenhaus der University of Pennsylvania wurde bereits im April eröffnet, ganze 15 Monate früher als geplant, um genügend Betten für Corona-Kranke zur Verfügung zu haben. Am Pfingstmontag (1. Juni) feiert der unermüdliche Stararchitekt, der auch die Glaskuppel des Berliner Reichtags entworfen hatte, seinen 85. Geburtstag.

Seit Jahrzehnten steht Fosters Name für elegante und schnittige Repräsentationsbauten. Aber eben auch für kapitalistische Metall- und Glas-Paläste wie den sogenannten “Gherkin”, den Wolkenkratzer für Rückversicherer Swiss Re, dessen elliptische Form seither die Skyline von London prägt. Norman Foster lieferte außerdem die Inspiration für Philip Kerrs Thriller “Game Over” (1996), in dem ein britischer Stararchitekt und Hobbypilot ein computergesteuertes Hi-Tech-Hochhaus entwirft, das zum zerstörerischen Albtraum wird.

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Seit seiner Kindheit ist Lord Foster of Thames Bank ein Flugzeugfan, diente in der Royal Air Force und ist qualifiziert, seinen eigenen privaten Hubschrauber und Jet zu fliegen. Er hält die Boeing 747 für das beste Bauwerk der Welt. “Es ist die Größe, der Maßstab. Es ist heroisch. Reine Skulptur”, schwärmte er in der BBC-Serie “Building Sights”. “Sie muss nicht wirklich fliegen: Sie könnte auf dem Boden bleiben – sie könnte in einem Museum stehen.”

Seine Leidenschaft brachte ihm einige lukrative Aufträge ein, darunter mehrere Flughäfen: Für den Komplex in Hongkong musste eine Insel vergrößert werden, London Stansted wurde zum Vorbild von Designern auf der ganzen Welt. “Ich habe mich von den frühen Flughafengebäuden wie Tempelhof inspirieren lassen, in denen der Akt des Fliegens gefeiert wurde”, erklärte Foster der Architekturzeitschrift “Icon Eye”, “genau wie die großen Bahnhöfe des 19. Jahrhunderts den Akt feierten, wenn man an Bord eines Zugs stieg.”

Er entwarf Flugzeuginnenräume und ein Weltraumterminal für Virgin Galactic in der Wüste von New Mexico. Natürlich hofft Norman Foster, als einer der ersten Raumfahrttouristen in den Weltraum zu fliegen. 2015 stellte seine Firma Entwürfe für eine NASA-Marssiedlung vor, die aus dem Gestein des roten Planeten mit Hilfe eines Teams halbautonomer Roboter entstehen könnte.

Von diesen Visionen war er als Arbeiterkind im Manchester der vierziger Jahre noch weit entfernt. Der spätere Adelige arbeitete sich vom Lehrling bis zum Assistenten eines Architekten hoch. Seine Entwürfe waren so überzeugend, dass er eine Chance als technischer Zeichner bekam. Er finanzierte sich das Architektur-Studium selbst: “Ich verkaufte Möbel, arbeitete in einer Bäckerei, einem Kühlhaus und fuhr einen Eiswagen”, erinnerte er sich in einem Interview mit dem “Independent”. Für sein weiteres Studium in Yale erhielt er schließlich ein Stipendium. Dort freundete er sich mit dem anderen britischen Hi-Tech-Veteranen Richard Rogers an.

Den Durchbruch in Großbritannien schafften er und seine damalige Frau, die Architektin Wendy Cheesman, 1974 mit einem modernen Bürogebäude für eine Versicherungsfirma in Ipswich. Sie schufen Großraumbüros sowie Erholungsmöglichkeiten mit Schwimmbad und Fitnessräumen für die Angestellten. Inzwischen steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

International machte er sich mit dem HSBC-Hauptquartier in Hongkong einen Namen als Hi-Tech-Architekt. Sein visionäres, 44 Stockwerke hohes und transparentes Bankgebäude wurde 1985 fertiggestellt. Typisch für Foster: sichtbare Querverstrebungen, offene Innenräume und eine Fülle von Stahl und Glas. Darauf folgten unter anderem der Frankfurter Commerzbank-Tower und in London das neue Wembley-Stadium, der überdachte Innenhof des British Museums, die schwingende Millennium Bridge und die City Hall am Ufer der Themse.

Für den Umbau des Reichstags in Berlin 1999 zum Parlament des wiedervereinigten Deutschlands wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Aber Foster entwarf nicht nur die spektakuläre Glaskuppel, sondern sollte auch den Bundesadler – Spitzname: “Fette Henne” – modernisieren und wunderte sich darüber 1996 im “Independent”: “Wirklich erstaunlich, dass der Bundestag einen Engländer mit der Gestaltung eines politisch so sensiblen Symbols beauftragt hat.” Seine abgespeckte Version scheiterte schließlich am Einspruch der Traditionswächter – er durfte nur die Rückseite gestalten.

Auch im neunten Lebensjahrzehnt wird es nicht ruhiger um den Architektur-Weltstar: Inzwischen hat er zum dritten Mal den Stirling Prize gewonnen, diesmal für Bloombergs europäisches Hauptquartier in London. Er baute das ringförmige Apple-Hauptquartier im Silicon Valley und modernisierte den Apple Store in New Yorks Fifth Avenue. Und er entwarf den gesamten Regierungskomplex der Hauptstadt Amaravati des indischen Bundesstaats Andhra Pradesh. Die Fertigstellung ist für 2025 geplant, pünktlich zu Fosters 90. Geburtstag.

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