"Bauer sucht Frau wird 18": Frauen, die sich tot stellen, Kuhdung – und ein Dialog für die Ewigkeit

Wo die großen Gefühle draufstehen, ist bei „Bauer sucht Frau“ auch immer eine Menge an Exkrementen mit dabei. Das feiert RTL im 378. Zusammenschnitt aus alten Folgen. Igitt.

Die Volljährigkeit. Endlich wählen gehen, voll geschäftsfähig sein und wenn es dumm läuft: strafrechtlich verfolgt werden. Okay, wir alle wissen doch: Beim 18. Geburtstag geht es in erster Linie ums Trinken bis zur Ohnmacht, an zwielichtigen Orten wie Oben-ohne-Etablissements Dollar-Noten in schnürsenkelgroße Oberbekleidung stopfen und am nächsten Morgen mit einem Ehering am Finger aufwachen.

Voilà, hier ist sie, die Überleitung mit dem Melkschemel zu „Bauer sucht Frau wird 18 – Inkas schönste Momente“, dem gefühlt 378. Zusammenschnitt von Archivmaterial, der RTL trotzdem grandiose Quoten bescheren wird. Nur echt mit dem „Fick und fertig“-Zitat von Narumol David, die mit einem grammatikalisch ausbaufähigen Satz eine veritable Trash-TV-Karriere starten konnte. Was zugegebenermaßen mehr ist, als viele Darstellerinnen und Darsteller dieses Genres von sich behaupten können.

Warum „Bauer sucht Frau“, das in die 18. Staffel geht, so erfolgreich ist, wissen wohl nur die Zuschauerinnen und Zuschauer. Die sind aber schwer zu finden, denn wenn man sie fragt, will es wieder keiner gewesen sein. Die logische Schlussfolgerung wäre: Wem die hochoptimierten Tattoo-Unterlagen, die sonst durch das Abendprogramm von RTL kopulieren, zu sehr Ballermann sind, der findet in „Bauer sucht Frau“ die volkstümliche Schlager-Variante. Liebe ist, wenn es nach Kuhdung riecht.

Ein Dialog, wie ihn Tarantino nicht besser hätte inszenieren können

Mit dabei sind in diesem Best-of die üblichen Verdächtigen, die wie immer bei RTL (und RTL+) am Bildschirmrand das Unaussprechliche kommentieren. Josef und Narumol. Schäfer Heinrich. Iris und Uwe. Moderatorin Inka Bause. Nach so vielen Jahren noch immer zusammen. Man weiß nicht, ob man sie beneiden oder bemitleiden sollte.

Die Ausschnitte aus den vergangenen Staffeln geben eine eindeutige Antwort. Da sind zum Beispiel Thomas und Suzana. Den Brief der Aspirantin, in dem sie von ihren beiden Hunden erzählt, hat er nicht ganz so genau gelesen. Beziehungsweise schon vergessen. Es entspinnt sich ein Dialog, wie ihn Quentin Tarantino nicht besser hätte inszenieren können: „Generell ist die Wohnung für einen Menschen, Zwinger für einen Hund.“ Antwort Suzana: „Da bin ich raus.“ Thomas: „Aha.“

„Bauer sucht Frau wird 18 – Inkas schönste Momente“: Heike stellte sich tot – wer mag es ihr verdenken

So geht es in den zwei Stunden von „Bauer sucht Frau wird 18 – Inkas schönste Momente“ munter weiter. Wir hören selbstkomponierte Lieder, die so sicher nicht nötig gewesen wären, Lebensweisheiten wie „Hopp, salopp, Kartoffelsopp“ (oder so ähnlich) und Bauer Rainer, der die Ankunft von Heike mit einem kräftigen Schluck direkt aus der Sektflasche feiert. Prost! Dass er nach den Dreharbeiten 2015 seine Angebetete von der Polizei vom Hof werfen ließ, verrät RTL nicht. Sie stellte sich tot. Nach Ansicht dieser Bilder eine allzu natürliche Reaktion.

„Was für eine Scheiße!“, möchte man da aus der Sendung zitieren und landet direkt bei einem der Kernthemen dieses Countdowns des Grauens. Wo Liebe draufsteht, ist bei „Bauer sucht Frau“ immer eine Menge an Exkrementen mit dabei. Die großen Romanzen der Show beginnen beim Schwalbenkot spachteln, wenn Kloschüsseln ausgewischt werden oder es im Schweinestall nach Kacka riecht. Geraten die Tiere doch ins Bild, zerren sie irgendjemanden aus dem Bild. In diesem Fall Bauer Jan. „Man kann nie wissen, was in den Köpfen der Tiere vorgeht“, kommentiert Schäfer Heinrich weise. Bei vielen Teilnehmern dieser Show will man es auch nicht wissen.

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Das Grauen der Moderne rast auf die Bauern zu

17 Staffeln „Bauer sucht Frau“ heißt aber auch, Männern dabei zuzusehen, wie sie das Grauen der Moderne auf sich zurasen sehen, ohne es aufhalten zu können. Hesse Klaus muss zum ersten Mal in seinem Leben joggen. In Jeans. Vollkommen konsterniert fragt er sein weibliches Gegenüber: „Machst du das jeden Tag?“ Die Antwort: „Ja, aber 20 Kilometer.“ In seinen Augen das ganze Entsetzen eines Mannes, der in den Abgrund geschaut hat.

Kurz darauf muss er zum ersten Mal in seinem Leben Gemüse zerkleinern. 57 Jahre hat er keine Rohkost zu sich genommen. „Ich hab vor Gemüse manchmal mehr Angst als vor Frauen“, sagt er in der Rückschau verzweifelt in die Kamera. Dank RTL hat er beides in seiner Küche sitzen.

Glücklicherweise war nicht jeder so unvorbereitet in den vergangenen Staffeln von „Bauer sucht Frau“. Michael, Kandidat 2019, erklärte freudig: „Ich werde Herzensbrecher genannt.“ Erst entschied er sich für Conny und Carina, dann für Conny, dann holte er Carina zurück. Und erklärte ihr mit einem übrig gebliebenen Satz aus „Der Bachelor“: „Ich muss dir ganz ehrlich gestehen, ich habe mich in dich verliebt.“ Folgerichtig betrog der Bachelor, äh, der Herzensbrecher, Conny, Moment, Carina? Ist ja auch egal, im Zweifelsfall beide, mit der Drittplatzierten. Sie werden es ahnen: Die beiden, beziehungsweise drei oder vier, sind fick und fertig.

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Neue Bauern, alte Bilder

Der Rest dieser lahmsten Fete zum 18. aller Zeiten? Schon oft gesehene Ausschnitte und geil-dreiste Gespräche über „Frischkäse stoßen“, „große Teile“ und „Soll ich mal von hinten festhalten?“ Gerne, aber bitte nur, wenn die Augen und Ohren gemeint sind.

Bleibt nur die Frage, was auf dem ersten Platz dieser Heu-Horrorshow gelandet ist. Heiratsanträge im Kuhstall? Fellatio mit Gesichtswurst? Nein, es sind Outtakes der kommenden 18. Staffel. Die neuen Bauern Max, Arne, Mario und viele Kühe, Ziegen und Katzen, die nicht so wollen, wie sie sollen. Nach den Szenen weiß der Zuschauer, warum. Na dann: Happy Birthday zur 18. Staffel! Das Geschenk kommt dieses Jahr per Post.

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