DHDL-Gründer zeigen sich dreist – Maschmeyer zieht vernichtendes Urteil

Zur 100. Folge von „Die Höhle der Löwen“ bringen drei Gründer die Juroren so aus der Fassung, dass drei von vieren abraten, das Geschäft zu machen. Am Ende gibt es doch einen Deal.

Eine Kritikvon Felix Reek

Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

Für VOX ist „Die Höhle der Löwen“ eine Erfolgsgeschichte, wie sie der Sender selten erlebt hat. Im April 2014 startete die Gründershow, die auf dem US-Vorbild „Shark Tank“ beruht, und ist seitdem ein Garant für konstant hervorragende Quoten. Das liegt zum einen am Löwen-Team, zum anderen am Einfallsreichtum der Deutschen, die mit immer neuen Ideen die Sendung unterhaltsam machten und es immer noch tun.

Weswegen die 100. Folge nicht viel Zeit damit verschwendet, in Nostalgie zu schwelgen. Ein paar warme Worte, ein Gläschen Schampus und eine Torte am Schluss – mehr Zeit bleibt bei all den Firmengründern in der letzten Folge dieser Staffel nicht.

Obwohl das erste Start-up gut zum festlichen Anlass passt. Es kommt herein und wirft Konfetti. Kein Wunder, denn genau darum geht es bei ihrer Firmengründung. „Saatgut Konfetti“ ist biologisch abbaubar, vegan und lässt sich kompostieren. Der Clou aber ist: In den Schnipseln stecken Samen.

Da wo das Konfetti liegenbleibt, wachsen Blumen. Das klingt toll, nur so richtig durchdacht ist es nicht. Den Löwen zumindest fällt direkt auf: Viele Veranstaltungen sind auf der Straße – und da wächst nichts. Und selbst wenn: Wer will schon nach jeder Hochzeit ein paar Monate später überall Unkraut am Wegrand jäten?

Maschmeyer urteilt: „Wir würden uns nicht verstehen“

Darüber haben sich die Gründer Katia, Christoph und Philip offensichtlich keine allzu großen Gedanken gemacht. Ihre lapidare Antwort: „Aber das ist doch schön!“ Carsten Maschmeyer sieht das nicht ganz so. Bei seinen Firmengebäuden in San Francisco kostet das eine saftige Strafe.

Als ihm dann auch noch vorgeschlagen wird, das als eine Form des Protestes zu sehen, zieht er ein vernichtendes Urteil: „Wir würden uns nicht verstehen“, sagt er – und lehnt eine Investition ab. Der Rest der Juroren ist genauso wenig beeindruckt.

Dagmar Wöhrl kann Konfetti nicht ausstehen, Georg Kofler sind die drei Gründer wirtschaftlich „nicht sattelfest“ genug. Denn statt der geforderten 200.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile benötigen sie eigentlich 800.000 Euro, um mit der eigentlichen Produktion zu beginnen.

Die Stimmung lesen gehört aber offensichtlich nicht zu den Stärken des Teams von Saatgut Konfetti. Denn sehr zur Verwunderung der anderen Löwen bietet Ralph Dümmel an, mit 200.000 Euro für 20 Prozent einzusteigen – und die Gründer gehen sich erstmal beraten. Im Gegenzug bieten sie zwölf Prozent Firmenanteile an. Der Auftakt einer Scharade, die drei der vier Löwen an ihre Grenzen bringt.

„Die Höhle der Löwen“: Investoren reden auf Dümmel ein

Dümmel erhöht auf 15 Prozent. Doch statt das Angebot anzunehmen, zieht sich das Team noch einmal zurück und will auf einmal 300.000 Euro. Der unverschämte Kommentar hinter den Kulissen: „Was sind für den schon 100.000 Euro?“ Das dauert so lange, dass sogar Maschmeyer vorbeikommt und zur Eile drängt, während seine Kollegen auf Dümmel einreden und ihn beknien, aus dem Geschäft auszusteigen: „Ich würde die nicht mehr wollen, wenn die so lange überlegen“, sagt Maschmeyer.

Doch Ralph Dümmel lässt sich nicht mehr umstimmen. Denn obwohl die Gründer von Saatgut Konfetti es sich noch einmal anders überlegen (zehn Prozent für 200.000 Euro, fünf weitere, wenn Dümmel ihr Produkt in 10.000 Filialen gebracht hat), steigt er in das Unternehmen ein. Und die anderen Löwen verziehen die Gesichter. Frechheit gewinnt eben doch.

Ein Sterne-Koch besucht „Die Höhle der Löwen“

Wesentlich demütiger stellt Steve Müller seine Erfindung vor: DeWok, kölsch für „Der Wok“. Dabei handelt es sich um eine Art Raclette, nur eben mit kleinen asiatischen Pfannen. Mitgebracht hat er Freund und Sternekoch Christian Lohse, der es vorführt. Spiritus einfüllen, anzünden, Mini-Wok darauf, fertig.

Das folgende Essen ist ohne Zweifel lecker, nur am Preis verschlucken sich die Löwen: Der liegt zwischen 179 und 269 Euro, für eine oder zwei Pfännchen samt Kocher. Drei der Juroren schreckt das nicht ab.

Ralph Dümmel bietet 100.000 Euro für 20 Prozent, Judith Williams tut sich mit Dagmar Wöhrl für dasselbe Angebot zusammen – doch am Ende macht Dümmel den Deal und Steve Müller verdrückt am Telefon mit seiner Frau ein paar Tränen.

Was fürs Herz ist auch das nächste Gründerpaar. Laura Mohn und Maria Möller haben Talking Hands erfunden, ein kleines Büchlein, das Kindern per Daumenkino die Gebärdensprache beibringen soll. So sollen Mädchen und Jungen, die Probleme mit der Kommunikation haben, besser integriert werden.

Auf die Idee kam Mohn wegen ihrer Schwester, die mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Sie bringt kurz darauf die kleinen Büchlein ins Studio. Das Ziel des Start-ups ist es, Talking Hands in möglichst viele Kindergärten zu bekommen. Dafür haben sie sogar ihre Jobs gekündigt und ihre Sparkonten leergeräumt.

Nur eine Geschäftsinvestition sieht keiner der Löwen darin. Stattdessen spendet einer nach dem anderen jeweils 10.000 Euro an die beiden Gründerinnen. Nicht das, was sie sich erhofft haben, aber zumindest genug, um noch mehr Kindergärten mit den kleinen Büchlein auszustatten.

Nico Rosberg hat den Ärmel blau

Ihr Leben vollkommen umgekrempelt hat auch die nächste Gründerin. Katrin Klein hat ihren Job bei der Telekom hingeschmissen, sich einen Nachhilfelehrer in Chemie gesucht und angefangen, ihre Wohnung in ein Labor umzubauen. Der Grund: „Ich bin 50 Jahre alt und habe festgestellt: Ich habe mir 49 Jahre lang den linken Daumen nicht richtig gewaschen.“

Katrin Klein hat „Colorsafe“ entwickelt, eine Seife, die die Stellen anzeigt, die beim Waschen übersehen wurden. Das funktioniert in etwa wie die kleinen Tabletten beim Zahnarzt: Nach der Benutzung von Colorsafe sind die Hände blau – nur eben nicht an den Stellen, die ausgelassen wurden. Gerade in Zeiten einer Viren-Pandemie ein hochaktuelles Thema.

Nico Rosberg probiert es gleich aus, mäkelt aber, dass der Ärmel seines Hemdes blau geworden ist und sich unter seinen Nägeln immer noch Reste finden. Was genau der Sinn der Sache ist: Hier hat er vergessen zu schrubben. Die anderen Löwen sind nicht so zimperlich und es entbrennt ein Wettkampf um die farbige Seife.

Nils Glagau legt mit 100.000 Euro für 24 Prozent Firmenanteile vor, was dazu führt, dass sich Georg Kofler und Ralph Dümmel spontan zusammentun und sich direkt vor der Gründerin beraten. Sie erhöhen das Angebot und wollen 150.000 Euro zahlen – für 30 Prozent von Colorsafe.

Was Glagau dazu veranlasst, zu stänkern, dass zwei Löwen nicht nur Vorteile hätten. Zum Beispiel, weil man immer zwei von ihnen anrufen müsste. Die Taktik hat Erfolg, am Ende wird er der neue Seifenpartner von Katrin Klein.

Was sagt Dagmar Wöhrl zum Dümmel-Kofler-Deal?

Eine Offenbarung für Häuslebauer

Für die größte Überraschung sorgen Gissou Attaee und Luca Nummer. Das Immobilienhändler-Paar hat etwas entwickelt, worauf Menschen, die ein Haus neu bauen oder kaufen wollen, lange gewartet haben. „Grundriss in Lebensgröße“ zeigt die Räume in Gebäuden in den Größenverhältnissen, so wie sie nach dem Bau auch wirklich sind.

Bisher blieb Häuslebauern nur der Blick auf einen kryptischen Bauplan. Wie wichtig das ist, demonstrieren sie den Löwen. Wie groß das Podest sei, auf dem sie sitzen, fragen sie die vier Juroren. Die einen schätzen 50 Quadratmeter, andere 60 Quadratmeter – es sind aber nur 40 Quadratmeter. Ein Indikator, wie schnell das eigene Raumgefühl täuschen kann.

Dafür gibt es jetzt „Grundriss in Lebensgröße“. In München haben die Verlobten Attaee und Nummer eine 600 Quadratmeter große Halle gemietet. Mit sechs Projektoren, Pappwänden und -möbeln können sie die Räume jedes Gebäudes nachstellen.

Und merken die Häuslebauer, dass nicht genug Platz ist, kann alles verschoben und neu angeordnet werden. Die Löwen wittern sofort, dass sie hier auf etwas ganz Großes gestoßen sind. Doch Gründer Luca Nummer sucht nicht nur einen Geldgeber, ihm sind auch andere Dinge wichtig. Spirituell müsse ihr Partner sein, weil es eben noch andere Dinge im Leben gibt.

Wer ist am spirituellsten?

Die Juroren in „Die Höhle der Löwen“ beginnen zu tuscheln. Dagmar Wöhrl tut sich mit Nils Glagau zusammen und bietet 300.000 Euro für 30 Prozent Firmenanteile. Ein gutes Angebot, bis Judith Williams im Tandem mit Carsten Maschmeyer eine flammende Rede hält.

„Unendlich spannend und schön“ fände sie die Idee der beiden Gründer und ihres Angestellten Maximilian. Und wer könnte spiritueller sein als sie? Sie unterbietet das Angebot und fordert nur 25,1 Prozent für 300.000 Euro. Ergriffen bricht Luca Nummer nach kurzer Beratung in Tränen aus, seine Verlobte lässt sich anstecken.

Sie entscheiden sich für Williams und Maschmeyer. „Wir gucken ‚Höhle der Löwen‘ seit Tag eins“, schluchzt er. Die Juroren sind ergriffen. Schöner lässt sich die 100. Folge dieser Sendung wohl nicht beenden.

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