Diese Diana hat einen Oscar verdient

Weihnachten 1991: Diana verbringt das Fest im Kreis der Royals. Der neue Film „Spencer“ bleibt dabei ganz nah an einer zutiefst verzweifelten Prinzessin. Ein Film wie ein Fiebertraum.

Prinzessin Diana (gespielt von Kristen Stewart) hat sich verirrt. Den Sicherheitsbeamten entwischt, hat sie sich in ihrem schnittigen Porsche allein aufgemacht, um nach Sandringham House in Norfolk zu fahren, jenem Ort, an dem die königliche Familie traditionell die Weihnachtsfeiertage verbringt.

Sandringham ist auch Lady Di’s Geburtsstätte, wo sie 1961 als Diana Frances Spencer zur Welt kam. Die schönsten Jahre hat sie hier verbracht, die herrlichsten Erinnerungen schlummern begraben unter unerfüllten Träumen, in einer längst vergangenen Zeit, in der sie einfach nur Diana sein durfte und ein eigenes, nicht fremdbestimmtes Leben lebte.

1991 ist der Bruch mit Prinz Charles (Jack Farthing) längst vollzogen. Das Leben der einst so frohen, jungen Frau gleicht nur noch einer royalen Theaterinszenierung, in der jedes Rädchen seinen Zweck zu erfüllen hat.

Die zu diesem Zeitpunkt 30-jährige Diana droht unter den Zwängen des Hauses Windsor buchstäblich zu ersticken. Überall bleierne Traditionen. Nicht einmal die schweren Vorhänge dürfen geöffnet oder die Heizung aufgedreht werden. Man friert in den alten Schlossgemäuern wie einst die Vorfahren.

Wahnsinn und Zerbrechlichkeit

Die nächsten drei Tage werden für Diana Schicksalstage, denn sie wird nicht nur beschließen, ihren Ehemann Charles zu verlassen, sondern auch mit dem Königshaus und somit mit den Traditionen brechen. Den Status Prinzessin von Wales wird sie verlieren, aber als Prinzessin der Herzen wird sie alle Thronfolgen überdauern.

Der chilenische Regisseur Pablo Larraín inszeniert „Spencer“ mit der gleichen anmutigen Schwere wie bereits sein Filmdrama „Jackie“, aus dem Jahre 2016, in dem Natalie Portman als Jacqueline Kennedy brillierte. In beiden Werken ist Larraíns Bildsprache ebenso verstörend wie schön und wird vermutlich gerade deshalb nicht den Geschmack der breiten Masse treffen.

„Spencer“ ist also kein Kinofilm, der uns die Schwere des Corona-Alltags vergessen lässt. Nichts zum Davonträumen, auch wenn die Szenerie noch so märchenhaft ist. Regisseur und Hauptdarstellerin wollen dem Zuschauer das Leiden einer Frau aufzeigen, die zwischen der Liebe zu ihren Kindern, den Ansprüchen des Königshauses und der Sicht der Medien auf ihre Person regelrecht zerrissen wird. „Spencer“ ist unbequem, er will den Zuschauer nicht unterhalten. Er will ihn mitfühlen lassen, diesen Druck zu spüren, die Einsamkeit, den Stress, fremden Erwartungen gerecht zu werden.

Kristen Stewart untermauert nach ihrer Leistung in „Jean Seberg – Against all Enemies“, ein weiteres Mal, dass sie zu den wandelbarsten und besten Schauspielerinnen ihrer Generation gehört. Das Diana-Porträt der 31-jährigen Kalifornierin ist punktgenau! In wirklich jeder Szene gelingt ihr der schmale Grat zwischen fast fieberhaftem Wahnsinn und der Zerbrechlichkeit eines Menschen, der weiß, dass es nur einen Ausweg gibt, um dieser Falle zu entkommen. Die elegante Körpersprache, der scheue, ganz besondere Blick, die Optik sowie der Akzent: Kristen Stewart ist Diana.

Anspruch vs Herzschmerz

Bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig wurde „Spencer“ am Premierentag frenetisch gefeiert. Stewart erhielt vom Publikum, wie das Branchenmagazin „Variety“ berichtet, minutenlang Standing Ovations. Mittlerweile ist auch – und das nur zu Recht – von einer Oscar-Nominierung die Rede.

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Nach Naomi Watts, die 2013 im „Diana“-Film des deutschen Regisseurs Oliver Hirschbiegel die Prinzessin von Wales verkörperte und Emma Corrin, die einen Golden Globe Award für ihre Lady Di-Darstellung in der britischen Netflix-Serie „The Crown“ erhielt, dürfte es letztlich jedoch Kristen Stewart sein, die für lange Zeit als cineastisches Konterfei der „Prinzessin der Herzen“ gelten wird. Sie erweckt Diana mit diesem kleinen, großen Film buchstäblich zum Leben. Selten zuvor hat man sich dieser unvergleichbaren Frau, die Angst hatte, man würde „in 1000 Jahren“ über sie schreiben, sie sei lediglich verrückt gewesen, so nah und gleichzeitig so verbunden gefühlt.

„Spencer“ startet am 13. Januar 2022 in den deutschen Kinos.

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