Tatort: Sind Psychopathen wirklich so häufig? Vier Fragen zu "Der Herr des Waldes"
  • Im Saarbrücker “Tatort” wird eine Schülerin grausam ermordet.
  • Die Tat eines Psychopathen, schließen die Kommissare. Die seien gar nicht so selten – stimmt das?
  • Wir beantworten vier Fragen zum Saarbrücker Krimi “Der Herr des Waldes”.

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Was steckt hinter dem Zweig im Mund?

Der Mörder Jessicas steckt der Leiche einen Zweig in den Mund. Das sei ein Jagdbrauch, erklärt Kommissar Schürk den Kollegen, womit der Jäger den “letzten Bissen” des erlegten Tieres symbolisiere.

Er gehört zu den sogenannten Bruchzeichen, gewissermaßen die traditionelle Zeichensprache der Jäger: Durch bestimmte abgebrochene und unterschiedlich positionierte Zweige werden andere Jäger im Gebiet auf besondere Vorkommnisse aufmerksam gemacht. Zum Beispiel kann ein zum Teil blank geschabter Eichenzweig wie ein Pfeil in den Boden gesteckt werden, um dem Hundeführer die wahrscheinliche Fluchtrichtung eines angeschossenen Tieres zu markieren.

Der letzte Bissen ist hingegen symbolischer Natur, erklärt der Südtiroler Jagdverband auf seiner Webseite: “Diese Form der Aussöhnung mit dem getöteten Wildtier geht auf Riten von Jägern der Vorzeit und späterer Naturvölker zurück.”

Sind Psychopathen wirklich so häufig?

Kommissarin Pia Heinrich macht sich auf die Suche nach dem Mörder, indem sie nach Fällen mit psychopathischem Hintergrund sucht. Psychopathen seien gar nicht so selten, informiert sie die Kollegen, “statistisch gesehen einer von 25, Diabetes ist selten dagegen”.

Aber während in einem Interview mit dem “Focus” 2018 der Tübinger Professor für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie Niels Birbaumer tatsächlich von “vier bis fünf Prozent der Menschen” sprach, sagte der Psychologe Jens Hoffmann der “Zeit” 2014: “Man geht davon aus, dass etwa vier Prozent der Bevölkerung Narzissten sind und etwa ein bis zwei Prozent Psychopathen.”

Während Psychopathie eine extreme Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung ist – Psychopathen sind, wie im “Tatort” beschrieben, gefühlskalt, können aber Emotionen mühelos vortäuschen und sind dadurch äußerst manipulativ –, können Narzissten bei aller Ich-Bezogenheit durchaus Gefühle entwickeln.

Das amerikanische Nationale Zentrum für Biotechnologieinformation (eine Unterabteilung des US-Gesundheitsministeriums) schätzt, dass weniger als ein Prozent der freien erwachsenen Männer in den USA als Psychopathen eingestuft werden können, unter Gefängnisinsassen sind es dagegen 16 Prozent.

Laut der Deutschen Diabeteshilfe leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung an Diabetes 2.

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Warum fallen dem Drehbuchautor die Saarbrücker “Tatorte” so schwer?

Der 1976 geborene Regisseur und Drehbuchautor Hendrik Hölzemann hat mit “Mord Ex Machina” (2017) bereits einen Saarbrücker “Tatort” geschrieben, als Devid Striesow noch Kommissar dort war. Als Autor der beiden ersten Folgen mit Schürk und Hölzer durfte er dann die neuen Saarbrücker Ermittler entscheidend mitprägen.

Die Arbeit an einem Krimi sei aber wegen des erforderlichen Mordfalls immer eine besondere Herausforderung für ihn, sagt Hölzemann, weil er sonst meist Dramen schreibt und “meine Arbeitsweise die ist, dass ich mich immer sehr genau mit den Figuren auseinandersetze und mich dann auch frage, was muss man für Gefühle in sich haben, um jemanden töten zu wollen und damit dann auch davonzukommen”.

Diese intensive Auseinandersetzung nehme ihn sehr mit, erklärt Hölzemann im Presseheft des Saarländischen Rundfunks weiter: “Ich habe echt gelitten. Meine Sache ist es eigentlich gar nicht; auch Hass ist nicht meine Sache. Ich habe viel darüber recherchiert über diese spezielle Persönlichkeitsstruktur des Täters im Film. Aber mich hat das schon extrem traurig gemacht. Auch der erste Fall, ‘Das fleißige Lieschen’, bei dem es um Zwangsarbeiter ging. Da hab ich auch viel gelesen und auch echt geweint, weil das so grausam und so schrecklich war. Mich kostet das eine Menge.”

Was macht eigentlich Kai Wiesinger?

Der 1966 geborene Schauspieler spielt in “Der Herr des Waldes” einen Lehrer an Jessicas Schule. Kai Wiesinger wurde 1992 – wie sein Kollege Jürgen Vogel – mit Sönke Wortmanns Komödie “Kleine Haie” berühmt und war mit vielen Rollen als charmanter Herzensbrecher in erfolgreichen deutschen Kinofilmen ein Star der 90er Jahre. “Der Herr des Waldes” ist sein dritter Auftritt im “Tatort”: Im siebten Münsteraner “Tatort: Der Frauenflüstrer” spielte er 2005 den titelgebenden Reitlehrer – und Mörder. Im umstrittenen “Tatort: Die Balade von Cenk und Valerie”, dem letzten von Mehmet Kurtulus als Hamburger Undercover-Ermittler Cenk Batu, durfte er sich dagegen 2012 als Bundeskanzler von diesem fast ermorden lassen.

In den letzten Jahren konzentrierte sich Kai Wiesinger auf seine Webserie “Der Lack ist ab”: In der international von Amazon Prime vertriebenen Sitcom um den Alltag eines Ehepaares ist Wiesinger Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur zugleich.

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