Was sind Klarträume? Fünf Fragen zum neuen "Tatort" aus München
  • In „Dreams“ müssen sich die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr die Nächte um die Ohren schlagen.
  • Die junge Orchestergeigerin Marina befürchtet, ihre Freundin ermordet anstatt den Mord nur geträumt zu haben. Marina ist Klarträumerin, was die Ermittlungen kompliziert.
  • Kann man wirklich lernen, seine Träume zu steuern? Fünf Fragen und Antworten zum Münchner „Tatort“.

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Was sind luzide Träume?

Luzide Träume, oder Klarträume, sind Träume, bei denen den Schlafenden bewusst ist, dass sie träumen. Der 1998 verstorbene deutsche Psychologieprofessor Paul Tholey hat sich intensiv mit dem Klarträumen beschäftigt. Auf ihn berufen sich viele Anhänger einer Theorie, wonach man, wenn man sich des Träumens bewusst ist, auch lernen kann, diese Träume zu steuern.

Im Selbstversuch begann Tholey, sich tagsüber regelmäßig einem Realitätstest zu unterziehen und sich seinen Wachzustand bewusst zu machen, bis sich die Einstellung auch auf die Nacht übertrug: Tholey konnte umgekehrt auch im Schlaf seine Träume als solche identifizieren. Klarträume können dann auch zum Beispiel zur Behandlung von Albträumen therapeutisch eingesetzt werden.

Jeder Mensch hat gelegentlich solche Klarträume, Tholey – und anderen Schlafforschern – geht es darum, diese Unterscheidungsfähigkeit zu trainieren. Es gibt bestimmte Methoden, um direkt vor dem Einschlafen das Gehirn auf den bewussten Traumzustand vorzubereiten. Dazu gehört auch, sich konkrete Szenarien vorzustellen. Etwa, dass man fliegen kann, aber gleichzeitig zu realisieren, dass man nur träumt, fliegen zu können.

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Kann damit tatsächlich Leistung gesteigert werden?

Anhänger der Klartraumoptimierung vergleichen sie mit einem Flugsimulator, mit dem sich komplizierte Abläufe gefahrlos, aber realitätstauglich üben lassen. Entsprechend sah Tholey, der auch Sportwissenschaft studiert hatte, in der Methode eine Möglichkeit, im Traum trainieren zu können. Luzide Träume sind dann als nächtliche Entsprechung des im Leistungssport verbreiteten mentalen Trainings zu verstehen. Bei diesem wird davon ausgegangen, dass Bewegungsvorstellungen äquivalent zu tatsächlichen Bewegungen sind, weil motorische Gehirnareale aktiviert werden.

Der Sportwissenschaftler Daniel Erlacher spezialisierte sich nach der Mitarbeit im Schlaflabor der kalifornischen Stanford Universität auf luzides Träumen. Der Klartraum-Experte und -Buchautor von der Universität Bern berichtete 2005 in einem Aufsatz von Experimenten, die gezeigt hätten, dass das Zielwerfen durch luzide Träume verbessert werden konnte. Zum einen könne dies durch motorisches Lernen im luziden Traum erklärt werden, zum anderen könnten psychologische Faktoren eine Rolle spielen: „So könnten die Teilnehmer, die erfolgreich die Aufgabe im luziden Traum lösten, mehr Zuversicht für die Würfe am Morgen haben.“

Was bedeutet „Institut für angewandte Oneironautik“?

Im „Tatort“ wird das Klarträumen in einem „Institut für angewandte Oneironautik“ in München geübt – sein Name bezieht sich auf die griechischen Wörter oneiros für Traum und nautēs, „Seefahrer“. Mit Oneironautik ist das Erkunden der Träume gemeint.

Das Institut ist fiktiv, aber es gibt in Deutschland an zahlreichen Universitäten Schlaflabore, an einigen wird das luzide Träumen erforscht. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete 2010 vom Schlaflabor des Sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Heidelberg, wo die Leistungsoptimierung von Sportlern untersucht wird. Der Artikel zitiert auch den Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit der Universität Mannheim Michael Schredl: „Therapeuten setzen Klarträume schon lange ein, um ihre Patienten auf öffentliche Auftritte vorzubereiten oder damit sie in Albträumen ihre Ängste konfrontieren“, ein Nutzen für Sportler sei durchaus realistisch.

Daniel Erlacher zufolge nutzen die meisten geübten Klarträumer ihre Träume aber vor allem für zwei Dinge, so die FAZ: „Fliegen und Sex“.

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Von wem stammt die Musik in „Dreams“?

Die Musik spielt im „Tatort“ eine zentrale Rolle. Entsprechend der fließenden Übergänge zwischen Traum und Wirklichkeit gehen auch Konzert- und Filmmusik ineinander über. Komponiert hat sie der 35 Jahre alte Münchner Komponist, Musikproduzent (und Saxophonspieler) David Reichelt: „Für den Dreh hatte ich bereits Konzertstücke geschrieben. Erst danach wurde die Musik detailliert dem Bild angepasst.“ Dadurch verdichten sie „das Filmkonstrukt und setzen einen Rahmen um die ganze Geschichte. Live gespielte Musik im Bild kann vor der Szene beginnen, sich aus der Filmmusik lösen, aber genauso nach dem Szenenwechsel wieder ein Teil der Filmmusik werden.“

Wer spielt die Filmmusik?

Reichelts Filmscore wurde vom Orchester des Bayerischen Rundfunks mit seinem Dirigenten Ivan Repusic eingespielt. Im „Tatort“ ist es als das Orchester zu sehen, in dem Hauptfigur Marina (Jara Bihler) Mitglied ist. Seine Violinistin Julia Bassler war das Geigendouble für Jara Bihler.

Seine Auftritte hat das Rundfunkorchester neben dem Funkhaus vor allem im Münchner Prinzregententheater. Der Gasteig, in dem „Dreams“ zu großen Teilen spielt, ist ein Kulturzentrum, in dem eigentlich die Münchner Philharmoniker zu Hause sind, außerdem befinden sich dort unter anderem ein Programmkino, die Stadtbibliothek und Münchens Volkshochschule.

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